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Mercedes 300 SEL 6.8 AMG von Schuco

Text von Oliver Kühlein     , Bilder von Marc Schmidt     Bilder durch Anklicken vergrößern. Zur Kontaktaufnahme den Namen des Autoren anklicken.
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Vorbild:

Spa-Francorchamps 1971. Vermutlich jeder Zuschauer fragte sich, was die große, rote Chauffeurlimousine in der Startaufstellung verloren hatte. Hatte sich gar einer der Rennfahrer in die Ardennen bringen lassen und der Chauffeur dann vergessen, den Wagen von der Strecke zu fahren?

Mitnichten – und 24 Stunden später sah die Welt ganz anders aus. Eben dieser dicke Brummer fuhr mit Hans Heyer und Clemens Schickentanz am Steuer auf den zweiten Gesamtrang und wurde Sieger seiner Klasse. Spätestens nach diesem Auftritt waren die drei Buchstaben AMG in aller Munde, und Kunden aus der ganzen Welt klopften in Großaspach an. Die drei Buchstaben standen für die beiden Firmengründer Hans-Werner Aufrecht und Werner Melcher, aber auch für den Standort Großaspach im Stuttgarter Umland. Gegründet wurde AMG übrigens im Jahr 1967; der aktuelle Firmensitz in Affalterbach in der Nähe von Marbach am Neckar wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt bezogen.

AMG spezialisierte sich von Anfang an auf die Optimierung von Fahrzeugen des Hauses Mercedes-Benz und war seit jeher eng mit dem Autohersteller verbunden. Zudem kümmerte sich AMG – wenn auch in Eigenregie – um die motorsportlichen Aktivitäten der Stuttgarter, bereitete etwa einen 450 SLC für die Rundstrecke vor. Das erste gemeinschaftlich mit Mercedes-Benz entwickelte Fahrzeug war 1993 der C36 AMG. Als diese Kooperation im Laufe der Zeit immer weiter intensiviert wurde, war AMG schließlich nicht nur für die Motorsporteinsätze der Schwaben etwa in der DTM zuständig, sondern kümmerte sich auch um die sportlichen Derivate der Stuttgarter Serienprodukte. Mittlerweile ist AMG eine einhundertprozentige Tochter der Daimler AG und setzt recht deutliche Akzente. Neben dem ersten komplett eigenentwickelten AMG-Motor, dem aktuellen, 6,3 Liter großen V8, duften die Affalterbacher auch ihr erstes Auto konstruieren: Das Ergebnis war auf der IAA 2009 zu bewundern und hört auf den Namen SLS AMG. Unter dem AMG-Logo wurden zudem Sonderentwicklungen u.a. für den Sultan von Brunei entwickelt und produziert, darunter eine S-Klasse (W140) als Kombi, ein 300 SL Flügeltürer mit der Technik des 500E der Baureihe W124 oder so nette Kleinigkeiten wie der CLK GTR. Dieser wurde allerdings nur unter dem AMG-Label verlauft, entwickelt und gebaut wurde er hingegen von HWA.

Im Jahr 2006 präsentierte AMG anlässlich der Markteinführung des 6,3-Liter-Motors einen Nachbau ihres legendären roten Renners. Es mag verwundern, dass bei einer für überaus akribische Historienarbeit bekannten Marke wie Mercedes nur ein Nachbau auftreten durfte. Nun, die Herren Aufrecht und Melcher waren sparsame Schwaben, und der Wagen wurde kurzerhand an den französischen Mischkonzern Matra verkauft. Dort hatte man ein Fahrzeug gesucht, das die Startgeschwindigkeit von Kampffliegern erreichen konnte. Hinter den Vordersitzen wurde eine Vorrichtung montiert, die es erlaubte, Flugzeugreifen bei Tempo 200 mit 600 bis 800 kg Druck auf die Straße zu pressen, um Fahrwerke für eben jene Kampfflugzeuge zu entwickeln; die Vorrichtung diente der Reibwertermittlung. Leider verlor sich anschließend die Spur der liebevoll „rote Sau“ getauften Legende.

Modell:

Nürnberg 2009. Schuco kündigt auf der Spielwarenmesse im Februar den 6,8-Liter-AMG in HO-Größe an, am Messestand stehen erste, noch unlackierte Muster. Die Vorfreude wächst, als immer wieder neue Bilder der Miniatur auftauchen, schließlich sogar seriennahe Muster. Die Karosserie ist detailgetreu graviert und gut proportioniert, und auch passende Felgen werden aufgezogen.

Ende des Jahres ist es dann endlich soweit: Der AMG-SEL ist ausgeliefert. Mit Vorfreude geht es zum Händler des Vertrauens, doch es folgt leichte Ernüchterung. Nicht, dass die Karosserie nicht passen würde, die Sponsorenlogos nicht perfekt wären, die Felgen nicht stimmten. Nein, all das ist prima, der Wagen sieht im Grunde einfach phantastisch aus. Aber...

...leider, leider, leider hat Schuco die chromblinkenden Fensterrahmen auf die Scheibe gedruckt. Sicher, mit Blick auf Produktion und Kosten (Stichwort glatte Flächen) ist das eine nachvollziehbare Lösung. Dennoch – die Scheiben sehen nun aus wie Schießscharten und der ansonsten so gute Eindruck des Modells wird zerstört.

Im Forum haben bereits einige Sammler Lösungsmöglichkeiten gezeigt, der Sache beizukommen. Diese haben allerdings ein großes Manko: Der durchschnittliche Modellbauer wird bereits Probleme haben, das Modell zu demontieren, weil nichts gesteckt, sondern Karosserie und Bodenplatte metallmodelltypisch zusammengenietet sind. Zudem müssen die Chromleisten mit Lösungsmittel entfernt werden. Nicht auszudenken, wenn dabei das Logo an der Frontscheibe zu Schaden kommt!

Angesichts des empfohlenen Verkaufspreises von 9,90 Euro wird die Luft noch dünner. In dieser Preisklasse sind die Ansprüche hoch. Auch wenn man von einem Metallmodell keine solche Perfektion und Filigranität wie von einem Kunststoffmodell erwarten kann, darf ein solcher Patzer wie der Fensterdruck einfach nicht sein.

Leider gelingt es Schuco trotz ausgezeichneter Ansätze nicht, das hochinteressante Vorbild detailgetreu umzusetzen. Das dürfte den einen oder anderen Käufer abschrecken, wie wichtig auch immer der Mercedes 300 SEL 6.8 AMG für Motorsportfans sein mag.

Schuco 45 25601 00 – Mercedes 300 SEL 6.8 AMG #35 (Hans Heyer / Clemens Schickentanz)

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