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Bericht
von Norbert Hermes am Freitag 20. März 2026, 18:25
Modellvorstellung: DAF XF mit Welgro Siloauflieger "de Heus" von WSI
Zugmaschine DAF XF High Seeper, Modelljahr 2025

1928 gründet Huub van Doorne im niederländischen Eindhoven den Vorläufer der heutigen DAF Trucks N. V. als Maschinenfabrik und Reparaturwerkstatt. Mit dem Beginn der Produktion von Anhängern taucht 1932 erstmals das heute bekannte Kürzel des Firmennamens DAF als Verkürzung des Namens Van Doorne Anhangwagenfabriek N. V. auf. 1949 startet man mit der Produktion von LKWs und setzt dabei von Anfang an auf die heute in Europa am meisten verbreiteten Frontlenker. Zeitweise werden aber auch Hauber unter der Bezeichnung Torpedo im Programm geführt. Von 1959 bis 1976 baut DAF auch PKW (=> DAF 44). In den 1990ern gerät DAF in finanzielle Schieflage und wird letztendlich 1996 vom US-amerikanischen LKW Hersteller PACCAR (Kenworth und Peterbilt) übernommen. 1997 wird die erste Generation des DAF XF eingeführt. Zeitgleich mit dem 25-jährigen Jubiläum als PACCAR-Tochter wird 2021 die heute aktuelle Generation der Fernverkehrs-LKWs XF, XG und XG+ vorgestellt. XG und XG+ stellen mit einem 33 cm längeren Fahrerhaus bilden die maximal mögliche Fahrerhauslänge nach aktuellen EU-Regeln dar.

Nach einem ausführlichem Ausflug in die Welt des Vorbilds folgt nun die Betrachtung des Modells zunächst mit einem Blick auf den Modellhersteller selbst. Der niederländische Modellhersteller WSI Models ist einer breiten Sammlerschaft bekannt für seine LKW-Modelle und Kranmodelle im Maßstab 1:50. Seit einigen Jahren baut man auch ein Programm im Maßstab 1:87 auf. Insbesondere die Kranmodelle ausschließlich nach aktuellen Liebherr Vorbildern sind den Sammlern, auch durch unsere Modellvorstellungen, bekannt. Bei den LKW-Modellen bedient WSI den Markt der Werbemodelle aus einer Materialkombination von Kunststoff und Metall. Hier gibt es verschiedene für Gewerbekunden aber auch für Handelsmodelle verschiedene Produktlinien. Das hier besprochene Modell entstammt der Produktlinie "Tema Toys Limited Edition". WSI bietet derzeit neben anderen Fahrerhäusern von DAF als einziger Großserienhersteller eine Fahrerhausvariante des DAF XF Fernverkehrs-LKWs an. Das 2021 vorgestellte Vorbild wird von WSI im selben Jahr als Werbemodell für DAF zusammen mit einem XG+ hergestellt (wir berichteten).

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WSI hat den DAF XF als Sattelzugmaschine mit High Sleeper Cab und Dachspoiler umgesetzt. Das Modell besteht aus einer Kombination von Kunststoff und Metallteilen, wobei nur das Gehäuse der Kabine aus Metall umgesetzt wurde. Das lackierte Fahrerhaus weist den für Metallmodelle üblichen dicken Farbauftrag auf. Die zweifarbige Lackierung und die Bedruckung an der Front sind jedoch sauber ausgeführt. Im Vergleich zum Wettbewerber Herpa fällt im direkten Vergleich die durch das verwendete Material bedingte größere Wandstärke auf. Das macht sich insbesondere im Bereich der Fenster und auf der Fahrerhausrückseite bemerkbar. Bis auf die Achsen und die zwei Schrauben, mit denen das Modell ohne Unterstützung von Klebstoff zusammengehalten wird, sind alle anderen Teile aus Kunststoff gefertigt. Einschließlich Schrauben besteht die Zugmaschine aus 21 Teilen zzgl. einem Spritzling mit Spiegelkameras. Einen Frontspiegel gibt es nicht. Fahrerhaus und Dachspoiler bilden eine Einheit. Fertigungsbedingt findet man in dessen Inneren auf der Rückseite eine massive Säule, die sich bis unters Dach zieht und so dem Bastler vorbildgerechte Gestaltung des Innenlebens erschweren. Es fällt positiv auf, dass das Lenkrad einzeln im aus schwarzem Kunststoff gespritztem Fahrerhausinnenleben eingesetzt ist. Scheinwerfer, Blinker sind silbern aufgedruckt. Der Kühlergrill besteht aus einem silbern bedrucktem Einsatz aus Kunststoff, an dem auch die Scheibenwischer angespritzt sind. Das Fahrgestell ist recht einfach gehalten zweiteilig ausgeführt. Anbauteile wie Tank, Staukasten/Kompressor, Kotflügel mit angedeuteten Rückleuchten und Sattelplatte sind am Fahrgestelloberteil angespritzt. Die Sattelplatte ist inkompatibel zu den Systemen von Herpa/AWM, Kbri oder Wiking. Bei den Rädern sind Felgen und Reifen als getrennte Teile ausgeführt. Die Reifen haben eine profilierte Lauffläche. Die Felgen der Lenk- und Antriebsachse sind jeweils detailiert und vorbildgetreu ausgeführt.

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Wenden wir uns den Abmessungen des Modells zu. Gerade die Werbemodelle aus Metall haben ja den Ruf es mit der Maßhaltigkeit nicht so genau zu nehmen. Der LKW Hersteller DAF bietet dazu auf seiner Seite Datenblätter mit detaillierten Maßtabellen zum Download an. Bis auf die Gesamthöhe des Fahrzeugs konnten dort viele Maße für den Vergleich entnommen werden.

Vorbildmaße 1:87 WSI
Gesamtlänge 6.320 mm 72,6 mm 74,6 mm
Radstand 3.800 mm 43,7 mm 44,2 mm
Vorderachsüberhang 1.530 mm 17,6 mm 18 mm
Hinterachsüberhang 990 mm 11,3 mm 12,8 mm
Rahmenhöhe 970 mm 11,1 mm 11,3 mm
Höhe (OK Kabine) 3.830 mm 44,0 mm 43,1 mm
Breite 2.550 mm 29,3 mm 30,0 mm
Bereifung 315/70 R22,5 B: 3,6 mm; Ø=11,6 mm (FØ=6,6 mm) B: 3,3 mm; Ø=11,8 mm (FØ=6,7 mm)
<Tabelle mit Abmessungen und Reifengrößen>

Der Vergleich mit den Abmessungen des Vorbild zeigt Abweichungen die lediglich im Bereich weniger Zehntel Millimeter liegen. Einzig der hintere Überhang und damit auch die Gesamtlänge weisen eine größere Abweichung von den Vorbildmassen auf.

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Fazit Zugmaschine:
Die Vergleichsbilder mit einem Kunststoffmodell des DAF XG+ von Herpa zeigt deutlich die Schwächen des WSI-Modells in der Detaillierung, die auch bei der Detailbetrachtung des WSI Modells aufgeführt sind. WSI bietet seine LKW-Modelle nur als komplette Sattelzüge an. Die Zugmaschine ist nicht einzeln erhältlich. Sammler, die dieses Modell nur wegen des sonst nicht erhältlichen DAF XF Fahrerhauses kaufen, dürften im Vergleich zu Kunststoffmodellen enttäuscht sein. Das kann auch der sonst gelungene Auflieger nicht wett machen auch wenn der Sattelzug damit eine passable Erscheinung abgibt.


Welgro Futtermittelsiloauflieger "de Heus"

In den 1960er Jahren beginnt Theo Wellink im niederländischen Groenlo mit dem Bau von Silofahrzeugen zum Transport von rieselfähigen Futtermitteln für die Landwirtschaft. Mittlerweile stellen die Fahrzeugbauer in Groenlo individuelle Silofahrzeuge für Kunden aus Europa, dem mittleren Osten und Afrika her.
2011 stellt WSI erstmals ein Modell im Maßstab 1:87 des typischen Welgro Aufliegers vor. Interessanterweise war dieses als Werbemodell für die Fa. de Heus produziert worden deren Farben auch das hier vorgestellte Modell trägt. Der Auflieger wurde zunächst nur als Werbemodell für Gewerbekunden wie de Heus, Agravis, ForFarmers und andere produziert. Das erste im Handel verfügbare Modell war das 2023 für Ende 2024 angekündigte Modell von de Heus mit DAF XD Zugmaschine.

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Der Auflieger besteht im Wesentlichen aus einem Unterteil und einem Oberteil, die durch zwei Schrauben miteinander verbunden werden.
Das Unterteil besteht aus Fahrgestell und der Unterseite des Tankaufbaus aus Metall. Daran sind Stoßfänger, Stütze, mehrteiliger Seitenunterfahrschutz und Rohre für die Unterbringung der Druckschläuche aus Kunststoff angebracht. Die zweiteiligen Räder aus vorbildgerechter detaillierter Felge und profiliertem Reifen aus Kunststoff sind mit einer Stahlachse in den Achshalterungen geführt. Beim Vorbild werden diese Auflieger meist zur besseren Wendigkeit auf den engen Bauernhöfen mit Lenkachsen ausgestattet. Diese sind am Modell nicht ausgeführt aber auch am Fahrgestell nicht angedeutet. Auf der Unterseite des Aufliegers sind die Unterseiten mit den Ausläufen der einzelnen Tankabteile mit der angeschlossenen Entleerungsleitung deutlich erkennbar. Verschiedenste Druckkessel sowie Fahrgestellrahmen und die luftgefederten Achsen sind ausgeformt. Der Königszapfen ist als Stahlstift, der in die Sattelkupplung der WSI Zugmaschinen eingeklippst werden kann, ist fest in das Metallfahrgestell eingepresst.
Das Oberteil des Aufliegers besteht aus Kunststoff. Hauptbauteil ist hier der auf das Fahrgestell aufgesetzte Tank an den die die Anbauteile angeklebt sind. An der Front sind dies detaillierte dargestellte Armaturen. Auf der Oberseite schließt hier eine Druckleitung mit angeformten Deckeln an. Ebenfalls auf der Oberseite angebracht, ist der mehrfarbig ausgeführte Laufsteg mit einer liegenden Leiter in Alu Optik. Auf der Rückseite des Oberteils findet sich ein für die Welgro Auflieger typischer Gerätekasten, eine Aufstiegsleiter und eine orange Rundumleuchte.
Einschließlich der Schrauben besteht der Auflieger aus 29 Einzelteilen (Unterteil 21 Teile, Oberteil 6 Teile, 2 Schrauben). Anders als die zugehörige Zugmaschine lässt sich der Auflieger durch die geklebten Teile schwieriger zerlegen. Die in dicken Schichten aufgetragene Lackierung ist sauber ausgeführt. Die Drucke an den Seiten und dem Heck des Aufliegers sind sauber und konturscharf umgesetzt.

Leider stehen dem Autor keine Abmessungen des Vorbilds zur Verfügung, so dass hier kein Vergleich möglich ist. Der Vergleich mit Vorbildfotos auf der Webseite des Vorbildherstellers oder einschlägigen Gebrauchtfahrzeugportalen hinterlässt allerdings einen stimmigen Eindruck des Modells.

Fazit Auflieger:
Wer einen modernen Sattelzug für die Auslieferung von Futtermitteln oder auch Pellets in kleineren Mengen benötigt, kommt an dem WSI Modell eigentlich nicht vorbei. Leider hält sich die Verfügbarkeit des Modells in Grenzen. Durch den fest mit dem Fahrgestell verbundenen Königszapfen ist allerdings eine Kombination des Aufliegers mit Zugmaschinen anderer Hersteller nur für den versierten Bastler möglich.

Gesamtfazit:
Das WSI Modell ist mit seinem Preis als Gesamtmodell für die Ausstattung von Dioramen auch im Vergleich zu höher detaillierten Kunststoffmodellen durchaus eine Alternative. Für den Transport von Futtermitteln an den bäuerlichen Landwirt stehen sonst nur Silohängerzüge von Herpa oder Kibri zur Verfügung. Der Sattelzug von WSI mit Siloauflieger wird für eine UVP von 29,- € angeboten. Straßenpreise sind teils deutlich höher. Der mittlere Preis für einen Sattel- oder Hängerzug von Herpa liegt bei etwa 50,- €. Dieser Preisunterschied der UVP macht sich auch deutlich in der Ausführung des Modells insbesondere bei der Zugmaschine bemerkbar. Die meisten Minuspunkte am WSI Modell werden allerdings durch den Auflieger verdeckt. Die Oberseite des Fahrgestells der Zugmaschine könnte mit mehr Strukturen versehen werden, um die einfache Ausführung besser zu kaschieren. Wer jedoch mit diesen Unterschieden leben kann erhält mit dem DAF XF eine passable Ergänzung zur Vervollständigung der DAF Fahrzeugflotte, zumal die Form des Aufliegers sonst am Markt aus der Großserie nicht verfügbar ist.

Fotos: Norbert Hermes

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