Der erste VW Derby ist für mich ein ganz besonderes Auto: Es war mein allererstes! 1985, ich war gerade 18 Jahre alt geworden, träumte ich zwar von einem Polo, dieser war jedoch in halbwegs annehmbarem Zustand noch unerschwinglich teuer. Also hielt ich nach der weniger gefragten Rucksackversion Ausschau und fand einen in riadgelb mit braunem Interior. Als LS repräsentierte er 1977 mit 50 PS die goldene Mitte. Es gab darunter noch die 0,9 L-Sparversion mit 40 PS und den „großen“ Derby mit 60 PS aus 1,3 Litern Hubraum. Auch wenn ich damals mit der Signalfarbe fremdelte, ich liebte ihn über alles. Fast so wie unser betagter Nachbar, der seinen 60 PS-GLS immer die letzten Meter von Hand in die Garage schob. Der Wagen wurde öfter poliert als gefahren, infolgedessen kam so langsam die Grundierung unter dem Lack zum Vorschein. Der Flirtfaktor des Derby war ähnlich bescheiden wie das Leistungsvermögen, trotzdem reichte es, um im Wettrennen mit dem manilagrünen 50 PS-Golf meines Kumpels das Tempolimit von 120 km/h auf dem innerstädtischen Schnellweg zu überschreiten. Komischerweise war er immer schneller als ich, woran das wohl lag?
Zurück zu den Hardfacts: Den ersten VW Polo gibt es seit 1975, zwei Jahre später wurde ihm ein megagroßer Rucksack angehängt und er wurde als Derby verkauft. 1979 gab es ein Facelift, zu erkennen an einem neuen Kühlergrill und größeren Kunststoffstoßstangen. 1981 wurde der erste Derby eingestellt.
Es reizte mich schon immer mein erstes Auto in 1/87 nachzubauen. Über den Versuch, einen Opel Corsa TR umzufrickeln sehen wir ebenso hinweg wie über den Ansatz, einem VW Polo von I.M.U. einen Kofferraum anzuhängen. Mein letzter Versuch, den recht ordentlichen VW Polo von Wiking umzubauen, kam dem Ziel schon recht nahe, aber es kann immer noch besser gehen!
Bei PCX87 muß es Menschen geben, die eine ähnliche Begeisterung für automobile Außenseiter haben wie ich. Infolgedessen war der Derby eine Frage der Zeit. Die Gestaltung des Modells läßt darauf schließen, mit wieviel Herzblut der kleine VW gemacht ist: Die Proportionen passen auf Anhieb, die Räder der Standardversion wirken perfekt, auch in ihrer Funktion der Rollfähigkeit. Obgleich die Räder bei PCX87-Modellen oftmals zu groß sind, ist mein Impuls, nachzumessen, eher gering ausgeprägt. Alle Chromleisten des Vorbilds wurden auf das Modell übertragen. Insbesondere um die sauber eingesetzte Verglasung herum ist das sehr überzeugend gelungen. Die fein verchromten Stoßstangen sind mit Gummileisten sowie Blinkern vorne bedruckt. Die Positionierung von Blinker und seitlichem Gummiteil ist nicht ganz perfekt – der Abstand zwischen den beiden erscheint zu groß. Den in Verglasung und Karosse integrierten Scheibenwischern sieht man ihre Zweiteiligkeit nicht an. Einen filigranen Außenspiegel findet man nur links, ein rechter war damals noch nicht Serie. Die rote Lackierung des Besprechungsmusters – etwas heller als das Marsrot vom GTi – ist einwandfrei, ohne matte Stellen, Staubeinschlüsse oder sonstiges.
Der Typenschriftzug hinten sitzt minimal zu tief, die erste Klage auf sehr hohem Niveau. Die Stoßstange könnte minimal höher montiert werden. Geht man von hinten weiter nach vorne an dem Modell vorbei, fällt dem kundigen Betrachter (bzw. damaligen Gebrauchtwagenkäufer) auf, dass der Steinschlagschutz an den hinteren Radhäusern fehlt. Wahrscheinlich war das Vorbild an dieser Stelle schon nachgearbeitet, weil der Radlauf gerne durchrostete. Vorne angekommen finden sich weitere Kleinigkeiten: Der Grill könnte etwas tiefer in die Karosse eingesetzt werden, damit die charakterprägende umlaufende Chromleiste besser zur Geltung kommt. So wirkt der Grilleinsatz zu massiv und man könnte, von schräg oben betrachtet, vermuten, es wäre die etwas dickere Ausführung des gelifteten Polo montiert. Bei dem Interior wurden die Sitze in beige abgesetzt – ich glaube sie im Vorbild etwas dunkler in Erinnerung zu haben. Das Armaturenbrett ist m.E. die größte Schwachstelle des Modells: Warum mußte der Instrumentenkasten der Faceliftversion so amputiert werden, dass das Lenkrad viel zu weit nach vorne versetzt mitten in den Kasten gesetzt werden mußte? Eine Marginalie dagegen ist, dass ich gerne auch noch braune Türpappen sehen würde. Das hier gesagte gilt grundsätzlich auch für das hellblaue Modell, das eine graue Inneneinrichtung hat und über Felgen mit Radkappen verfügt, auf die bei dem folgenden Modell eingegangen wird.
Das 79er Facelift-Modell liegt mir in dem hellen silbergrünmetallic vor. Auch dieses hat einen „LS“ zum Vorbild. Was über den roten 77er gesagt wurde gilt ebenso für dieses Modell. Abweichend davon: auf den ersten Blick wirken die Metallicpartikel zu groß. Schade – dann muß man eben das beige Modell nehmen, das auf diesen Luxus verzichtet. Grill und Stoßstangen überzeugen formal, beim LS würde ich allerdings eine Zierleiste auf einem anthrazitfarbenen Korpus erwarten. Bei dem vorliegenden Modell ist er mattschwarz – war auch hier ein restauriertes Fahrzeug mit nachgerüsteten Teilen das Vorbild? Die Räder des silbergrünen Modells tragen die Radkappen, die auch mein 77er LS hatte. Leider haben die Formenbauer für PCX87 das eingravierte VW-Emblem vergessen.
Inwieweit es ein Zeichen von Verstand ist Modellautos zu sammeln – mag ich hier nicht beurteilen. Die Derby-Modelle von PCX87 spiegeln die Lehre der Vernunft in vollem Umfang wieder: Sie sind handwerklich ordentlich gemacht und erfreuen den Sammler mit viel zeitgenössischem Charme. Mich begeistert immer wieder der Blick der PCX87-Macher für die Unterschiede in Details. Der Nietenzähler findet natürlich auch immer was, es liegt aber kein wirklicher Grund zur Klage vor. Der Derby ist einfach ein tolles Modellauto, nicht nur für uns Kinder der 70er Jahre! Freuen wir uns auf weitere Farben, insbesondere auf ein riadgelbes Modell!
VW Derby LS von PCX87 im Vergleich zum Eigenbau sowie im Vergleich mit dem VW Polo von Wiking.
Text und Fotos: Jens Müller
Zurück zu den Hardfacts: Den ersten VW Polo gibt es seit 1975, zwei Jahre später wurde ihm ein megagroßer Rucksack angehängt und er wurde als Derby verkauft. 1979 gab es ein Facelift, zu erkennen an einem neuen Kühlergrill und größeren Kunststoffstoßstangen. 1981 wurde der erste Derby eingestellt.
Es reizte mich schon immer mein erstes Auto in 1/87 nachzubauen. Über den Versuch, einen Opel Corsa TR umzufrickeln sehen wir ebenso hinweg wie über den Ansatz, einem VW Polo von I.M.U. einen Kofferraum anzuhängen. Mein letzter Versuch, den recht ordentlichen VW Polo von Wiking umzubauen, kam dem Ziel schon recht nahe, aber es kann immer noch besser gehen!
Bei PCX87 muß es Menschen geben, die eine ähnliche Begeisterung für automobile Außenseiter haben wie ich. Infolgedessen war der Derby eine Frage der Zeit. Die Gestaltung des Modells läßt darauf schließen, mit wieviel Herzblut der kleine VW gemacht ist: Die Proportionen passen auf Anhieb, die Räder der Standardversion wirken perfekt, auch in ihrer Funktion der Rollfähigkeit. Obgleich die Räder bei PCX87-Modellen oftmals zu groß sind, ist mein Impuls, nachzumessen, eher gering ausgeprägt. Alle Chromleisten des Vorbilds wurden auf das Modell übertragen. Insbesondere um die sauber eingesetzte Verglasung herum ist das sehr überzeugend gelungen. Die fein verchromten Stoßstangen sind mit Gummileisten sowie Blinkern vorne bedruckt. Die Positionierung von Blinker und seitlichem Gummiteil ist nicht ganz perfekt – der Abstand zwischen den beiden erscheint zu groß. Den in Verglasung und Karosse integrierten Scheibenwischern sieht man ihre Zweiteiligkeit nicht an. Einen filigranen Außenspiegel findet man nur links, ein rechter war damals noch nicht Serie. Die rote Lackierung des Besprechungsmusters – etwas heller als das Marsrot vom GTi – ist einwandfrei, ohne matte Stellen, Staubeinschlüsse oder sonstiges.
Der Typenschriftzug hinten sitzt minimal zu tief, die erste Klage auf sehr hohem Niveau. Die Stoßstange könnte minimal höher montiert werden. Geht man von hinten weiter nach vorne an dem Modell vorbei, fällt dem kundigen Betrachter (bzw. damaligen Gebrauchtwagenkäufer) auf, dass der Steinschlagschutz an den hinteren Radhäusern fehlt. Wahrscheinlich war das Vorbild an dieser Stelle schon nachgearbeitet, weil der Radlauf gerne durchrostete. Vorne angekommen finden sich weitere Kleinigkeiten: Der Grill könnte etwas tiefer in die Karosse eingesetzt werden, damit die charakterprägende umlaufende Chromleiste besser zur Geltung kommt. So wirkt der Grilleinsatz zu massiv und man könnte, von schräg oben betrachtet, vermuten, es wäre die etwas dickere Ausführung des gelifteten Polo montiert. Bei dem Interior wurden die Sitze in beige abgesetzt – ich glaube sie im Vorbild etwas dunkler in Erinnerung zu haben. Das Armaturenbrett ist m.E. die größte Schwachstelle des Modells: Warum mußte der Instrumentenkasten der Faceliftversion so amputiert werden, dass das Lenkrad viel zu weit nach vorne versetzt mitten in den Kasten gesetzt werden mußte? Eine Marginalie dagegen ist, dass ich gerne auch noch braune Türpappen sehen würde. Das hier gesagte gilt grundsätzlich auch für das hellblaue Modell, das eine graue Inneneinrichtung hat und über Felgen mit Radkappen verfügt, auf die bei dem folgenden Modell eingegangen wird.
Das 79er Facelift-Modell liegt mir in dem hellen silbergrünmetallic vor. Auch dieses hat einen „LS“ zum Vorbild. Was über den roten 77er gesagt wurde gilt ebenso für dieses Modell. Abweichend davon: auf den ersten Blick wirken die Metallicpartikel zu groß. Schade – dann muß man eben das beige Modell nehmen, das auf diesen Luxus verzichtet. Grill und Stoßstangen überzeugen formal, beim LS würde ich allerdings eine Zierleiste auf einem anthrazitfarbenen Korpus erwarten. Bei dem vorliegenden Modell ist er mattschwarz – war auch hier ein restauriertes Fahrzeug mit nachgerüsteten Teilen das Vorbild? Die Räder des silbergrünen Modells tragen die Radkappen, die auch mein 77er LS hatte. Leider haben die Formenbauer für PCX87 das eingravierte VW-Emblem vergessen.
Inwieweit es ein Zeichen von Verstand ist Modellautos zu sammeln – mag ich hier nicht beurteilen. Die Derby-Modelle von PCX87 spiegeln die Lehre der Vernunft in vollem Umfang wieder: Sie sind handwerklich ordentlich gemacht und erfreuen den Sammler mit viel zeitgenössischem Charme. Mich begeistert immer wieder der Blick der PCX87-Macher für die Unterschiede in Details. Der Nietenzähler findet natürlich auch immer was, es liegt aber kein wirklicher Grund zur Klage vor. Der Derby ist einfach ein tolles Modellauto, nicht nur für uns Kinder der 70er Jahre! Freuen wir uns auf weitere Farben, insbesondere auf ein riadgelbes Modell!
VW Derby LS von PCX87 im Vergleich zum Eigenbau sowie im Vergleich mit dem VW Polo von Wiking.
Text und Fotos: Jens Müller