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Bericht
von Erik Meltzer am Dienstag 28. April 2026, 22:20
Kurz vorgestellt: Renault 11 von PCX87
La Porsche pour le peuple

Eigentlich ist er ja nichts Herausragendes, dieser Renault 11. Die Schrägheckvariante des bemerkenswert unspektakulären kompakten Mittelklassewagens Renault 9 erblickte 1983, zwei Jahre nach diesem, das Licht der Welt als Nachfolger des R14 und war unter dem Blech nichts weiter als ein weiterer Konkurrent in der „Golf-Klasse“. Und schon fünf Jahre später erschien der Nachfolger R19, der fast doppelt so lange produziert wurde und auch heute noch im Straßenbild anzutreffen ist.

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Was aber den R11 von Vorgänger, Nachfolger und Stufenheck-Stallgefährte R9 abhebt, ist sein Design. Vorn gab es rechteckige Doppelscheinwerfer für einen bulligen, fast aggressiven Look. Der echte Blickfang war aber das Heck, wo der neue Renault eine fast kuppelartig gewölbte Heckscheibe in der großen Hecktür trug, die ein wenig an zeitgenössische Sportcoupés wie den Porsche 924 oder Renault Fuego erinnerte.

Sportlich war indes sonst nicht viel am R11, auch wenn er in den Gruppen N und A homologiert war. Das dafür kreierte Modell Turbo war trotz seines dynamischen Auftretens mit maximal 115 PS aus nur 1,4 Litern Hubraum gerade einmal ein Golf-GTI-Konkurrent, aber den GTi-Modellen von Peugeot 205/309 und Citroën BX deutlich unterlegen.

Als Weltauto machten R9 und R11 aber eine beeindruckende Karriere mit Produktionen in den USA (als Renault Alliance und Encore gemeinsam mit AMC, die auch an der Entwicklung beteiligt gewesen waren), Argentinien, Kolumbien und der Türkei, wo die Fertigung erst im Jahr 2000 endete.

Dem Rezensenten begegnete der R11 bewußt erstmals auf Sprachferien in England, wo ein facegeliftetes weißes Exemplar des Sondermodells „Spring“ von 1987 als Werbedisplay in einer Shoppingmall stand und besonders mit seinen wagenfarbenen Stoßfängern und dem durchgehenden roten Heckleuchtenband (natürlich damals anders als heute nur eine Attrappe) einen bleibenden Eindruck hinterließ. Heute mag er die Phase 1 wegen der Doppelscheinwerfer aber noch mehr als die vorn mit innen angeschrägten Breitbandscheinwerfern und daneben sitzenden Blinkern recht fad gestaltete Phase 2.

2026 lieferte PCX87 den zweitürigen R11 Phase 1 in zunächst fünf Varianten an den Fachhandel aus. Neben einem blaumetallicfarbenen GTL mit schwarzen Seitenverkleidungen und einem seltsamerweise auch als GTL beschrifteten beigen Basismodell ohne dieselben sind es gleich drei Turbos, die in Silber und Rot mit schwarzen Zierstreifen und in Schwarz mit silbernen solchen kommen. Alle Farben finden sich in einer schnellen Bildersuche und können damit als typisch durchgehen.

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Auf den ersten Blick stehen gelungene Modelle auf dem Schreibtisch, sauber lackiert und exzellent bedruckt, wenn wir vom kleinen Patzer am Typenschild des beigen Modells einmal absehen – hat hier ein Drittbesitzer das „Upgrade“ mittels GTL-Schild mit etwas zuviel Sikaflex an seinen R11 TL gepappt? Die Front- und die gewölbte Heckscheibe sitzen sauber. Die Seitenscheiben sind wie üblich nur hinterlegt, was trotz der recht massiven Dachsäulen dank derer Schwarzfärbung aber kaum auffällt. Alle drei Scheibenwischer sind PCX-typisch am Übergang von Karosserie zu Verglasung unterbrochen. Die schwarzen Außenspiegel sind eingesetzt, aber nicht gesilbert; ein Innenspiegel fehlt.

Der Innenraum ist sonst sparsam, aber durchaus stimmig graviert und bei den Nicht-Turbos auch zweifarbig in typischem Beige mit schwarzem Armaturenbrett gehalten; bei den Turbos ist alles sportlich-schwarz. Am störendsten sind hier, besonders natürlich bei den „bunten Farben“, die karosseriefarbenen Innenwände unter den Seitenscheiben. Farbrichtige und zumindest andeutungsweise gravierte Tür- und Seitenverkleidungen sollten bei Preisen jenseits der 20,- € heute doch Standard sein. Ein Trost: bei den beigen und schwarzen Modellen fällt’s naturgemäß kaum auf ...

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Außer bei den vorbildentsprechend unterschiedlichen, fast möchte man sagen selbstverständlich viel zu großen Rädern unterscheiden sich die Ausstattungsvarianten durch die vordere Stoßstange, die beim Turbo mit integriertem Frontspoiler und gelben Nebelscheinwerfern für Überholprestige sorgt. Diese sind, wie auch vordere Blinker und Rückleuchten, nur bedruckt, aber dies erheblich sauberer als noch beim Citroën BX und völlig in Ordnung. Bei den eingesetzten und silbern hinterlegten Scheinwerfern hätte der Rezensent sich etwas mehr Höhe gewünscht: sie wirken zu flach, wo das Vorbild fast quadratische Streuscheiben hat. Dafür sind schwarze Kühlergrilloberkante und wagenfarbige Motorhaubenvorderkante entsprechend zu breit geraten.

Trotzdem, und auch trotz der zu großen Räder und einer dadurch bedingten gewissen Hochbeinigkeit, wissen die Modelle zu gefallen und machen auch beim Spielen mit gutem Rollverhalten Laune. Die auf Makroaufnahmen zu sehenden Unsauberkeiten fallen im direkten Augenschein kaum auf; Ausnahme ist das den Rezensenten eher amüsierende „überlackierte Rostloch“ am vorderen rechten Kotflügel des blauen Modells – vorbildgerecht bis ins Detail! Stimmige, routiniert gemachte Modelle mit kleinen Fehlern ist jedenfalls ein Fazit, mit dem man gerade in der heutigen 1:87-Modellautolandschaft gut leben kann.

Text: Erik Meltzer; Fotos: Andreas Plogmaker

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