Der Opel Astra ist über seinen Urahn, den Kadett, untrennbar mit der deutschen Automobilgeschichte verbunden – auch wenn sich die Zeiten im Zeichen von Globalisierung und alternativer Antriebstechnik extrem geändert haben. Vorhang auf für die aktuelle Version des Opel Astra, den L.
Bochum im Herzen, Frankreich im Blut mit „Vizor“ statt Biederkeit
Wenn man die Motorhaube des aktuellen Astra öffnet, schwingt eine gehörige Portion Wehmut mit. Früher war die Kompaktklasse von Opel das stolze Aushängeschild des Reviers: In Bochum schlug über Jahrzehnte das Herz der Kadett- und Astra-Produktion. Doch diese Zeiten sind vorbei, die Bänder im Ruhrgebiet stehen längst still, das Werk ist nahezu rückstandsfrei dem Erdboden gleichgemacht. Ein paar wenige Gebäude erinnern noch an die einstigen Werktätigen und deren automobile Werke.
Unter der schicken, kantig-runden Hülle des Astra L steckt nämlich rein gar nichts Konservatives mehr: Der Rüsselsheimer teilt sich seine technische Basis – die sogenannte EMP2-Plattform des Stellantis-Konzerns (vormals PSA) – brüderlich mit dem Peugeot 308 und dem DS 4. Gebaut wird er immerhin im hessischen Stammwerk Rüsselsheim, aber die Gene sind europäisch-multikulturell geworden. Man könnte sagen: Der Astra hat gelernt, Baguette mit Fromage zu essen, L wie lecker.
Optisch hat die französische Frischzellenkur dem Astra allerdings gutgetan. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen ein Opel optisch in der grauen Masse des Supermarktparkplatzes unterging. Mit dem schicken, schwarzen Marken-Gesicht (dem „Opel Vizor“) und dem messerscharfen LED-Design steht der Astra L so selbstbewusst da wie schon lange kein Kompakt-Opel mehr. Bei den Karosserie-Formen heißt es allerdings: Weniger ist mehr.
Während es den Vorgänger gefühlt noch in drölfzig Varianten gab, hält Stellantis das Lineup beim Astra L angenehm übersichtlich. Es gibt genau zwei Bauformen beim Händler. Der Sports Tourer ist der klassische, lange Kombi für Kind, Kegel und den Großeinkauf in ebenso schnieker wie sportlicher Optik. Das Schrägheck-Modell (5-Türer) ist der knackige, kompakte Opel wie beim Urmodell Astra F, das zum direkten Angriff auf den VW Golf bläst.
Genau dieser sportlich-kompakte 5-Türer hat nun Dank PCX87 den Weg in den Maßstab 1:87 geschafft. Er bringt ein Stück moderne, deutsche Straßenrealität auf die Modellstraße – abseits von alten Klischees, aber mit einer stolzen Ahnengalerie im Gepäck.
Mit gut gelauntem Gesicht präsentiert sich eine schicke Verkleinerung des Astra den Augen des Betrachters. Wird die Makrobrille verwendet, sind insbesondere beim gelben Exemplar Ungenauigkeiten an der Bedruckung zu erkennen. In eigentlich schwarzen Bereichen schimmert Gelb hindurch. Das lässt sich recht einfach mit feinen Pinselstrichen beseitigen. Die Ausführung der Verglasung ist durchaus vergleichbar mit der des gleichzeitig erschienenen Mazda CX-5 (wir berichteten) und hat damit an der Windschutzscheibe mitunter "etwas Luft nach oben" (Spalt). Gesilberte Außenspiegelflächen und toll bedruckte Rückleuchten im LED-Stil, die wie eingesetzt wirken, erfreuen den Anblick, von ebenfalls sauber ausgeführten Markenemblemen als Druck ganz zu schweigen. Ob nun mit trendigem schwarzen Dach oder unifarben, so macht das Modell trotz der recht markant ausgeführten Fugen eine gute Figur, zu der auch die - außer beim Blauen - zweifarbigen Felgen dazu beitragen.
Zwei Felgentypen - schon als Minimum üblich bei PCX87 - sorgen auch bei diesem Modell für mehr Abwechslung. Der Heckscheibenwischer als Bestandteil der Verglasung ist dagegen weniger scharfkantig, die schwarze Dachlackierung fast schon zu dick ausgeführt. Der Antennenstummel wirkt dadurch weichgezeichnet. Der vorbildkonforme Innenraum des Fünftürers ist mehr als nur eine Randnotiz wert.
Bei all der grundsätzlichen Freude über die Modellumsetzung eines modernen Opel - zwar Astra L und nicht Corsa F - bleiben doch kleinere Wehmutstropfen übrig. So hat der gelbe Astra ein schlecht lackiertes Dach mit einem recht großen Staubeinschluss. Das blaue Exemplar kränkelt am Lackverlauf hin zu den Türfugen, die nicht bis zum Rand ihre blaue Farbe erhalten durften, was auf den Bildern deutlich sichtbar ist. Hier macht sich offenbar die klassische Kantenflucht bemerkbar: Durch die Oberflächenspannung zieht sich der flüssige Lack beim Trocknen von den scharfen Gravuren der Türfugen zurück. Auch das rote Exemplar zeigt in Ansätzen diese Tendenz. Das ist natürlich bedauerlich, zumal die Farben an sich kräftig, voller Tiefe und Brillanz sind, und das Wort "unglaublich" durchaus verdienen. Mit dem Opel Mokka hat PCX87 das zweite Opel-Fahrzeug mit "Vizor-Blick" angekündigt. Vielleicht erhört man im PCX87-Universum auch den Ruf bzw. Wunsch nach einem Corsa oder schiebt gar einen Astra Grand Tourer (aka Caravan) nach. Bleiben wir gespannt.
Bochum im Herzen, Frankreich im Blut mit „Vizor“ statt Biederkeit
Wenn man die Motorhaube des aktuellen Astra öffnet, schwingt eine gehörige Portion Wehmut mit. Früher war die Kompaktklasse von Opel das stolze Aushängeschild des Reviers: In Bochum schlug über Jahrzehnte das Herz der Kadett- und Astra-Produktion. Doch diese Zeiten sind vorbei, die Bänder im Ruhrgebiet stehen längst still, das Werk ist nahezu rückstandsfrei dem Erdboden gleichgemacht. Ein paar wenige Gebäude erinnern noch an die einstigen Werktätigen und deren automobile Werke.
Unter der schicken, kantig-runden Hülle des Astra L steckt nämlich rein gar nichts Konservatives mehr: Der Rüsselsheimer teilt sich seine technische Basis – die sogenannte EMP2-Plattform des Stellantis-Konzerns (vormals PSA) – brüderlich mit dem Peugeot 308 und dem DS 4. Gebaut wird er immerhin im hessischen Stammwerk Rüsselsheim, aber die Gene sind europäisch-multikulturell geworden. Man könnte sagen: Der Astra hat gelernt, Baguette mit Fromage zu essen, L wie lecker.
Optisch hat die französische Frischzellenkur dem Astra allerdings gutgetan. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen ein Opel optisch in der grauen Masse des Supermarktparkplatzes unterging. Mit dem schicken, schwarzen Marken-Gesicht (dem „Opel Vizor“) und dem messerscharfen LED-Design steht der Astra L so selbstbewusst da wie schon lange kein Kompakt-Opel mehr. Bei den Karosserie-Formen heißt es allerdings: Weniger ist mehr.
Während es den Vorgänger gefühlt noch in drölfzig Varianten gab, hält Stellantis das Lineup beim Astra L angenehm übersichtlich. Es gibt genau zwei Bauformen beim Händler. Der Sports Tourer ist der klassische, lange Kombi für Kind, Kegel und den Großeinkauf in ebenso schnieker wie sportlicher Optik. Das Schrägheck-Modell (5-Türer) ist der knackige, kompakte Opel wie beim Urmodell Astra F, das zum direkten Angriff auf den VW Golf bläst.
Genau dieser sportlich-kompakte 5-Türer hat nun Dank PCX87 den Weg in den Maßstab 1:87 geschafft. Er bringt ein Stück moderne, deutsche Straßenrealität auf die Modellstraße – abseits von alten Klischees, aber mit einer stolzen Ahnengalerie im Gepäck.
Mit gut gelauntem Gesicht präsentiert sich eine schicke Verkleinerung des Astra den Augen des Betrachters. Wird die Makrobrille verwendet, sind insbesondere beim gelben Exemplar Ungenauigkeiten an der Bedruckung zu erkennen. In eigentlich schwarzen Bereichen schimmert Gelb hindurch. Das lässt sich recht einfach mit feinen Pinselstrichen beseitigen. Die Ausführung der Verglasung ist durchaus vergleichbar mit der des gleichzeitig erschienenen Mazda CX-5 (wir berichteten) und hat damit an der Windschutzscheibe mitunter "etwas Luft nach oben" (Spalt). Gesilberte Außenspiegelflächen und toll bedruckte Rückleuchten im LED-Stil, die wie eingesetzt wirken, erfreuen den Anblick, von ebenfalls sauber ausgeführten Markenemblemen als Druck ganz zu schweigen. Ob nun mit trendigem schwarzen Dach oder unifarben, so macht das Modell trotz der recht markant ausgeführten Fugen eine gute Figur, zu der auch die - außer beim Blauen - zweifarbigen Felgen dazu beitragen.
Zwei Felgentypen - schon als Minimum üblich bei PCX87 - sorgen auch bei diesem Modell für mehr Abwechslung. Der Heckscheibenwischer als Bestandteil der Verglasung ist dagegen weniger scharfkantig, die schwarze Dachlackierung fast schon zu dick ausgeführt. Der Antennenstummel wirkt dadurch weichgezeichnet. Der vorbildkonforme Innenraum des Fünftürers ist mehr als nur eine Randnotiz wert.
Bei all der grundsätzlichen Freude über die Modellumsetzung eines modernen Opel - zwar Astra L und nicht Corsa F - bleiben doch kleinere Wehmutstropfen übrig. So hat der gelbe Astra ein schlecht lackiertes Dach mit einem recht großen Staubeinschluss. Das blaue Exemplar kränkelt am Lackverlauf hin zu den Türfugen, die nicht bis zum Rand ihre blaue Farbe erhalten durften, was auf den Bildern deutlich sichtbar ist. Hier macht sich offenbar die klassische Kantenflucht bemerkbar: Durch die Oberflächenspannung zieht sich der flüssige Lack beim Trocknen von den scharfen Gravuren der Türfugen zurück. Auch das rote Exemplar zeigt in Ansätzen diese Tendenz. Das ist natürlich bedauerlich, zumal die Farben an sich kräftig, voller Tiefe und Brillanz sind, und das Wort "unglaublich" durchaus verdienen. Mit dem Opel Mokka hat PCX87 das zweite Opel-Fahrzeug mit "Vizor-Blick" angekündigt. Vielleicht erhört man im PCX87-Universum auch den Ruf bzw. Wunsch nach einem Corsa oder schiebt gar einen Astra Grand Tourer (aka Caravan) nach. Bleiben wir gespannt.
Text und Fotos: Andreas Plogmaker