Wer über den Chevrolet Camaro sprechen will, kommt nicht umhin, mit dem Ford Mustang anzufangen, denn Ford war der erste der großen US-Autohersteller, der Mitte der sechziger Jahre die Zeichen der Zeit erkannte: Millionen Kinder aus der Babyboomer-Generation wurden erwachsen, eine rapide wachsende Schicht neuer Konsumenten! Und sie wollten etwas Neues – in Gesellschaft und Politik, aber auch auf dem Automarkt. Weg mit den behäbigen Repräsentationslimousinen, mit sinnlosen Heckflossen, Chrom und Düsenjäger-Attributen. Kreative Fahrzeugbauer blickten jetzt nach Europa – und im US-Autodesign brach eine neue Zeit an. Kleinere, kompakte Fahrzeuge rollten aus den Fabriken, gestylt in klaren, funktionalen Formen. Aber wir reden von America: Viel Hubraum, viele PS und viel Durst hatten sie trotzdem.
An die Spitze setzte sich Ford 1964 mit dem Mustang: Ein Zweitürer mit europäischen Proportionen, der durch die lange Schnauze, das kurze Heck und den „Hüftschwung“ in der Seitenlinie kraftvoll und dynamisch wirkte. Das war die Geburt des „Ponycars“. Das Element, das ihn endgültig zur Ikone machte, kam im Folgejahr hinzu: das Fließheck, zuvor schon von Plymouth im Barracuda, dem erfolglosen Rivalen des Mustang, und von AMC im weithin vergessenen Rambler Marlin realisiert. Als „Fastback“ wandelte sich der bis dahin noch etwas schlichte Mustang zum Inbegriff eines aufregenden amerikanischen Sportwagens. Stufenheck, Fastback, Cabrio: Der Erfolg war sensationell, die Verkäufe übertrafen Fords Erwartungen um das Vierfache – also kamen auch die anderen Hersteller nicht am „Ponycar“ vorbei. Und damit sind wir beim Chevy Camaro.
Chevrolet hatte mit dem Corvair Monza schon seit 1960 einen Kompaktwagen mit europäischem Styling auf dem Markt, der zwar sportliche Qualitäten besaß, doch unter technischen Unzulänglichkeiten litt. Hinzu kam die vernichtende Kritik des Verbraucherschützers Ralph Nader, der den Monza zum Musterbeispiel für die eklatanten Sicherheitsmängel amerikanischer Autos stilisierte. Gegen Fords Super-Seller hatte er keine Chance. Also brachte Chevrolet 1967 ein brandneues Modell in die Autohäuser, den Camaro. Der rätselhafte Name, so erzählt eine charmante Anekdote, sei französischer Slang für „Camarade“, der Wagen war also als eine Art „guter Kamerad“ gedacht. Und er sieht auch danach aus: Die Design-Abteilung von General Motors unter Bill Mitchell (der auch für die tolle Corvette Stingray verantwortlich war) verlieh ihm die typischen Attribute eines Ponycars: überlange Schnauze und kurzes Heck – doch sie ließ ihn sanfter, weniger kantig als den Mustang aussehen. Dafür sorgt vor allem die elegante, geschwungene Seitenlinie der Karosserie, die schließlich zum Heck abfällt, bis der integrierte kleine Spoiler sie auffängt: Eine wunderbare Design-Pointe und ein cleveres, unübersehbares Alleinstellungsmerkmal des Camaro.
Als „guter Kamerad“ geht allerdings nur die Standardversion durch, das Sport Coupé, das Chevrolet als Stadtauto bewarb, „nice“ für Fahrer vom Typ Ehemann, die mit einem Sechszylinder mit 3,8 l Hubraum und 140 PS glücklich werden konnten. Mehr Muskeln hatten die Versionen Rally Sport (RS) und Super Sport (SS) mit V8–Motoren von bis zu 7 l Hubraum und 380 PS. Dennoch: Die großen Mustangs brachte nur der für die Trans-Am-Rennen konzipierte Camaro Z/28 in Verlegenheit – wie viele PS tatsächlich unter seiner Haube schlummerten, hat Chevrolet nie verraten.
Im Maßstab 1:87 gab es bisher schon ein Cabrio des Camaro SS von 1969 mit den eindrucksvollen, jedoch funktionslosen Lüftungsschlitzen auf der Motorhaube, herausgebracht von Modelpower, sowie den Camaro der 1970 eingeführten zweiten Generation, überzeugend umgesetzt von Brekina. Minichamps ist nun mit dem Sport Coupé von 1967 zu den Anfängen zurückgegangen. Auch wenn die hübschen Rallye-Streifen etwas anderes suggerieren, an den offen liegenden Scheinwerfern und zweifarbigen Rücklichtern ist eindeutig die Standardausführung erkennbar, zudem trugen die stärkeren Versionen seitlich bzw. im Grill die Kürzel RS und SS. Das Modell ist nach meiner Ansicht sehr gelungen. Die Form ist gut getroffen, es rollt hervorragend auf vorbildgerechten Felgen, die Drucke sind sauber, viele Einzelheiten erfreuen den Sammler: ein- bzw. aufgesetzte Front- und Heckleuchten, detaillierte Inneneinrichtung, feine Spiegel und akzeptable Wischer.
Erstaunt und enttäuscht bin ich nur, weil Minichamps erneut die Probleme mit der Verglasung nicht in den Griff bekommt: An den Seiten finde ich sie okay, aber die Frontscheibe sollte nicht diesen hässlichen oberen Rand haben! Bei genauem Vergleich mit Fotos des Vorbilds fiel mir außerdem auf, dass die seitliche Karosserielinie nicht exakt wiedergegeben ist: Im Modell verläuft über den Türen eine gerade Kante, doch im Original fällt die Linie dort leicht ab und steigt dann zum „Hüftschwung“ wieder an, ist also geschwungener. Man erkennt den Unterschied auch beim Vergleich mit dem etwas schlichten, hier aber sehr präzisen Modell des Cabrios. Ein Detail, zugegeben, aber für mich ist diese verspielte Linie ein wunderbares, prägendes Merkmal des kraftvollen „Kameraden“.
Auf jeden Fall stellt der erste Camaro für unseren Maßstab eine echte Bereicherung dar, die sehr schön die Entwicklung des Ponycars illustriert. Im Gruppenfoto habe ich daher die wichtigsten „Akteure“ aufgereiht: Wikings ersten Mustang (1964), den Plymouth Barracuda (64) aus der Werkstatt 87rpm und den Mustang Fastback (65) von Brekina. Und von Minichamps wünsche ich mir nun ein neues, verbessertes Cabrio!
An die Spitze setzte sich Ford 1964 mit dem Mustang: Ein Zweitürer mit europäischen Proportionen, der durch die lange Schnauze, das kurze Heck und den „Hüftschwung“ in der Seitenlinie kraftvoll und dynamisch wirkte. Das war die Geburt des „Ponycars“. Das Element, das ihn endgültig zur Ikone machte, kam im Folgejahr hinzu: das Fließheck, zuvor schon von Plymouth im Barracuda, dem erfolglosen Rivalen des Mustang, und von AMC im weithin vergessenen Rambler Marlin realisiert. Als „Fastback“ wandelte sich der bis dahin noch etwas schlichte Mustang zum Inbegriff eines aufregenden amerikanischen Sportwagens. Stufenheck, Fastback, Cabrio: Der Erfolg war sensationell, die Verkäufe übertrafen Fords Erwartungen um das Vierfache – also kamen auch die anderen Hersteller nicht am „Ponycar“ vorbei. Und damit sind wir beim Chevy Camaro.
Chevrolet hatte mit dem Corvair Monza schon seit 1960 einen Kompaktwagen mit europäischem Styling auf dem Markt, der zwar sportliche Qualitäten besaß, doch unter technischen Unzulänglichkeiten litt. Hinzu kam die vernichtende Kritik des Verbraucherschützers Ralph Nader, der den Monza zum Musterbeispiel für die eklatanten Sicherheitsmängel amerikanischer Autos stilisierte. Gegen Fords Super-Seller hatte er keine Chance. Also brachte Chevrolet 1967 ein brandneues Modell in die Autohäuser, den Camaro. Der rätselhafte Name, so erzählt eine charmante Anekdote, sei französischer Slang für „Camarade“, der Wagen war also als eine Art „guter Kamerad“ gedacht. Und er sieht auch danach aus: Die Design-Abteilung von General Motors unter Bill Mitchell (der auch für die tolle Corvette Stingray verantwortlich war) verlieh ihm die typischen Attribute eines Ponycars: überlange Schnauze und kurzes Heck – doch sie ließ ihn sanfter, weniger kantig als den Mustang aussehen. Dafür sorgt vor allem die elegante, geschwungene Seitenlinie der Karosserie, die schließlich zum Heck abfällt, bis der integrierte kleine Spoiler sie auffängt: Eine wunderbare Design-Pointe und ein cleveres, unübersehbares Alleinstellungsmerkmal des Camaro.
Als „guter Kamerad“ geht allerdings nur die Standardversion durch, das Sport Coupé, das Chevrolet als Stadtauto bewarb, „nice“ für Fahrer vom Typ Ehemann, die mit einem Sechszylinder mit 3,8 l Hubraum und 140 PS glücklich werden konnten. Mehr Muskeln hatten die Versionen Rally Sport (RS) und Super Sport (SS) mit V8–Motoren von bis zu 7 l Hubraum und 380 PS. Dennoch: Die großen Mustangs brachte nur der für die Trans-Am-Rennen konzipierte Camaro Z/28 in Verlegenheit – wie viele PS tatsächlich unter seiner Haube schlummerten, hat Chevrolet nie verraten.
Im Maßstab 1:87 gab es bisher schon ein Cabrio des Camaro SS von 1969 mit den eindrucksvollen, jedoch funktionslosen Lüftungsschlitzen auf der Motorhaube, herausgebracht von Modelpower, sowie den Camaro der 1970 eingeführten zweiten Generation, überzeugend umgesetzt von Brekina. Minichamps ist nun mit dem Sport Coupé von 1967 zu den Anfängen zurückgegangen. Auch wenn die hübschen Rallye-Streifen etwas anderes suggerieren, an den offen liegenden Scheinwerfern und zweifarbigen Rücklichtern ist eindeutig die Standardausführung erkennbar, zudem trugen die stärkeren Versionen seitlich bzw. im Grill die Kürzel RS und SS. Das Modell ist nach meiner Ansicht sehr gelungen. Die Form ist gut getroffen, es rollt hervorragend auf vorbildgerechten Felgen, die Drucke sind sauber, viele Einzelheiten erfreuen den Sammler: ein- bzw. aufgesetzte Front- und Heckleuchten, detaillierte Inneneinrichtung, feine Spiegel und akzeptable Wischer.
Erstaunt und enttäuscht bin ich nur, weil Minichamps erneut die Probleme mit der Verglasung nicht in den Griff bekommt: An den Seiten finde ich sie okay, aber die Frontscheibe sollte nicht diesen hässlichen oberen Rand haben! Bei genauem Vergleich mit Fotos des Vorbilds fiel mir außerdem auf, dass die seitliche Karosserielinie nicht exakt wiedergegeben ist: Im Modell verläuft über den Türen eine gerade Kante, doch im Original fällt die Linie dort leicht ab und steigt dann zum „Hüftschwung“ wieder an, ist also geschwungener. Man erkennt den Unterschied auch beim Vergleich mit dem etwas schlichten, hier aber sehr präzisen Modell des Cabrios. Ein Detail, zugegeben, aber für mich ist diese verspielte Linie ein wunderbares, prägendes Merkmal des kraftvollen „Kameraden“.
Auf jeden Fall stellt der erste Camaro für unseren Maßstab eine echte Bereicherung dar, die sehr schön die Entwicklung des Ponycars illustriert. Im Gruppenfoto habe ich daher die wichtigsten „Akteure“ aufgereiht: Wikings ersten Mustang (1964), den Plymouth Barracuda (64) aus der Werkstatt 87rpm und den Mustang Fastback (65) von Brekina. Und von Minichamps wünsche ich mir nun ein neues, verbessertes Cabrio!
Text und Fotos: Matthias Hennies