Manchmal gibt es Fahrzeuge, von denen man im ersten Moment gar nicht weiß, wie man für eine Vorstellung überhaupt ansetzen soll. Mit tiefem Durchatmen, mit Schnappatmung oder einfach nur mit Weglaufen. BMWs jüngere Designsprache spaltet die Gemüter wie kaum eine andere – und genau so ein automobiles Streitobjekt hat nun den Weg in den Maßstab 1:87 gefunden.
Monolith oder gelutschtes Bonbon? Ein bajuwarisches Design-Experiment
SUV sind nicht nur im alltäglichen Straßenverkehr omnipräsent. Auch auf unseren Modellstraßen nehmen sie mittlerweile einen breiten Raum ein. Der jüngsten Vorstellungen des eher bodenständigen Mazda CX-5 (wir berichteten) und der des martialischen BMW XM (wir berichteten ebenfalls) wird es auf der Hebebühne heute... nun ja, speziell. Wir widmen uns dem bayrischen Design-Experiment und Technologieträger für die Generation Spitzensteuersatz: dem BMW iX M60.
Optisch ist der Wagen ein echtes Phänomen. Irgendwo zwischen wuchtiger Schrankwand und rundgelutschtem Bonbon gezeichnet, weiß man beim ersten Blick nicht, ob man ihn bewundern oder bemitleiden soll. Ein Weichei mit hartem Kern? Er ist das elektrische Pendant zum X5 – nur dass er mit seinen 619 Elektro-PS antritt, um die Gesetze der Physik und des guten Geschmacks gleichzeitig auszuhebeln. BMW bezeichnet dies als Monolith-Design für maximalen Raum auf minimaler Fläche – quasi als Skulptur maximaler Präsenz. Das Ding wiegt leer schlanke 2,6 Tonnen, „fliegt“ in 3,8 Sekunden von 0 auf 100. Warum? Weil man es kann. Ein ökologischer Vorschlaghammer. Ob sinnvoll oder nicht.
Während uns der BMW XM noch mit einem offen zerklüfteten Party-Grill erschreckte, trägt der iX stolz eine komplett geschlossene Riesen-Niere – einen wahren Megazahn im ausgeprägten „Biberzahn-Look“. Luft braucht er da vorne eh nicht. Stattdessen versteckt sich als „Intelligence-Panel“ dahinter die Sensorik der Fahrassistenten – verpackt in einer Hightech-Schicht aus PU, die Kratzer durch Sonnenwärme einfach selbst wegheilt. Wenn sich jetzt noch der stolze Kaufpreis von über 140.000 Euro auf dem Konto von selbst wegheilen würde, wären die Käufer – primär Tech-Chefs und gut betuchte Vorstadt-Avantgardisten – wunschlos glücklich. Nicht ganz. Mit ein paar Kreuzchen bei den Extras wie z.B. dem Soundsystem von Bowers & Wilkins (30-Lautsprecher-Soundsystem, 1615 W Ausgangsleistung) anstelle des Systems von Harman Kardon (18 Lautsprecher, 655 W) kratzt man locker an der 160.000-Euro-Marke. Mittlerweile wurde der zwischen 2022 und 2025 gebaute iX (M60) einer umfangreichen Modellpflege unterzogen und lebt nun als nochmals leistungsgesteigerter iX (M70) weiter.
Vor kurzem lieferte Minichamps ein Modell dieses Elektro-SUV in gleich vier Farbvarianten aus. Da mich moderne Fahrzeuge und erst recht E-Fahrzeuge nur am Rande – wenn überhaupt – interessieren und BMW „eigentlich“ gar nicht, ist es bei zwei Referenzfarben (Graumetallic und Blaumetallic) geblieben. Die Wahl für den Titelhelden fiel auf den iX (!) M60 (?) in Graumetallic, weil die blauen Kontrastakzente („BMW i Blue“), im Original aus durchgefärbtem Kunststoff, hier besonders zur Geltung kommen. M-Performance für die vollelektrischen BMW.
Angesetzte Außenspiegel mit Spiegelfläche sowie Innenspiegelbereich in der Frontscheibe, die Zulassung kann durchaus erfolgen. Sauber lackiert mit – aus der Schachtel – nicht einwandfrei sitzenden Reifen, wie es die Bilder zeigen, so gelangten die beiden Modelle auf den Schreibtisch. Der „Grill“ ist fein graviert, die Kennzeichenfläche wurde schwarz belassen. Eingerahmt wird der Grill von klaren Scheinwerfergläsern. Sogar im BMW-Propeller findet sich das Blau wieder. Die Seitenscheiben wirken recht groß, aber das sind sie auch beim Vorbild. Im Gegensatz zu manch übertriebener Sehschlitzoptik bei einigen Modellen, scheint Minichamps hier ein gutes Augenmaß bei der Konstruktion gehabt zu haben.
Links auf der Heckklappe findet sich in sauberer Lesbarkeit nicht nur ein silbernes „iX“, Propeller und „BMW“ sind ebenso gut lesbar und sauber aufgedruckt. Die roten Klarglasrückleuchten erfreuen bei der Begutachtung des Hecks. Die eigentlichen Endrohrausgänge sind in Blau eingefasste Attrappen mit darüberliegendem, roten Reflektor. Ein wenig „Auto“ darf an einem für Autonarren oftmals emotionslosen Elektromobil nicht fehlen. So langsam jedoch bekommen diese Elektrokisten Charakter, wenn sie denn dem krampfhaften Future-Design der anderen Art nicht mehr erliegen, sondern für die verwöhnte Automobilklientel klassisch konservativ daherkommen. Der iX muss sich auf den Bildern mit einem XM vergleichend begnügen. Ein passenderer X5 gleich welchen Jahrgangs hat es bis heute nicht in die Sammlung geschafft.
Doch grübeln lässt einen die Differenz zwischen Minichamps-Verkaufsbezeichnung "M60" (laut Hompage) und der Tatsächlichkeit des Originals. Deshalb das jeweils eingeklammerte Rufzeichen und Fragezeichen im vorherigen Absatz. Der M60 verfügte im Original stets über das optische Sportpaket mit dreieckigen Lufteinlässen an der Front und konnte als Downsizing-Objekt fürs Understatement nicht ohne dies bestellt werden. Diese dreieckigen Lufteinlässe hat das Modell nicht, so dass es eher als xDrive50 durchgeht. Das Vorbildfoto zeigt übrigens einen xDrive50 mit besagtem Sportpaket des M60 und Shadowline anstelle der blauen "Elektroakzente". Ach ja, auf der Verpackung steht lediglich "iX".
Hübsch hässlich und doch ganz schön. Die hellblauen Akzente am Modell machen das Elektroschiff mit seinen weichen Formen schon sympathisch. Der Spruch „der hat irgendwie was“ passt fürs Vorbild, so dass die beiden anderen Farben des Modells durchaus interessant werden. Die Vernunft bremst mich jedoch aus. Es werden keine weiteren iX "nicht-M60" in den Modellfuhrpark gelangen. Ein schickes Modell mit den bekannten Gravurfurchen, denen es an Feinheit fehlt. Dafür mit durchgehendem und hoffentlich für eine lange Zeit einwandfreiem Lackbild in herrlicher Brillanz. Und neben dem zerklüfteten XM auf dem Schreibtisch zeigt sich: Das rundgelutschte Bonbon ist zwar kein klassischer Schönling, aber im fahrbaren Prunk-Kabinett der Moderne zumindest der sanftere Riese.
Monolith oder gelutschtes Bonbon? Ein bajuwarisches Design-Experiment
SUV sind nicht nur im alltäglichen Straßenverkehr omnipräsent. Auch auf unseren Modellstraßen nehmen sie mittlerweile einen breiten Raum ein. Der jüngsten Vorstellungen des eher bodenständigen Mazda CX-5 (wir berichteten) und der des martialischen BMW XM (wir berichteten ebenfalls) wird es auf der Hebebühne heute... nun ja, speziell. Wir widmen uns dem bayrischen Design-Experiment und Technologieträger für die Generation Spitzensteuersatz: dem BMW iX M60.
Optisch ist der Wagen ein echtes Phänomen. Irgendwo zwischen wuchtiger Schrankwand und rundgelutschtem Bonbon gezeichnet, weiß man beim ersten Blick nicht, ob man ihn bewundern oder bemitleiden soll. Ein Weichei mit hartem Kern? Er ist das elektrische Pendant zum X5 – nur dass er mit seinen 619 Elektro-PS antritt, um die Gesetze der Physik und des guten Geschmacks gleichzeitig auszuhebeln. BMW bezeichnet dies als Monolith-Design für maximalen Raum auf minimaler Fläche – quasi als Skulptur maximaler Präsenz. Das Ding wiegt leer schlanke 2,6 Tonnen, „fliegt“ in 3,8 Sekunden von 0 auf 100. Warum? Weil man es kann. Ein ökologischer Vorschlaghammer. Ob sinnvoll oder nicht.
Während uns der BMW XM noch mit einem offen zerklüfteten Party-Grill erschreckte, trägt der iX stolz eine komplett geschlossene Riesen-Niere – einen wahren Megazahn im ausgeprägten „Biberzahn-Look“. Luft braucht er da vorne eh nicht. Stattdessen versteckt sich als „Intelligence-Panel“ dahinter die Sensorik der Fahrassistenten – verpackt in einer Hightech-Schicht aus PU, die Kratzer durch Sonnenwärme einfach selbst wegheilt. Wenn sich jetzt noch der stolze Kaufpreis von über 140.000 Euro auf dem Konto von selbst wegheilen würde, wären die Käufer – primär Tech-Chefs und gut betuchte Vorstadt-Avantgardisten – wunschlos glücklich. Nicht ganz. Mit ein paar Kreuzchen bei den Extras wie z.B. dem Soundsystem von Bowers & Wilkins (30-Lautsprecher-Soundsystem, 1615 W Ausgangsleistung) anstelle des Systems von Harman Kardon (18 Lautsprecher, 655 W) kratzt man locker an der 160.000-Euro-Marke. Mittlerweile wurde der zwischen 2022 und 2025 gebaute iX (M60) einer umfangreichen Modellpflege unterzogen und lebt nun als nochmals leistungsgesteigerter iX (M70) weiter.
Vor kurzem lieferte Minichamps ein Modell dieses Elektro-SUV in gleich vier Farbvarianten aus. Da mich moderne Fahrzeuge und erst recht E-Fahrzeuge nur am Rande – wenn überhaupt – interessieren und BMW „eigentlich“ gar nicht, ist es bei zwei Referenzfarben (Graumetallic und Blaumetallic) geblieben. Die Wahl für den Titelhelden fiel auf den iX (!) M60 (?) in Graumetallic, weil die blauen Kontrastakzente („BMW i Blue“), im Original aus durchgefärbtem Kunststoff, hier besonders zur Geltung kommen. M-Performance für die vollelektrischen BMW.
Angesetzte Außenspiegel mit Spiegelfläche sowie Innenspiegelbereich in der Frontscheibe, die Zulassung kann durchaus erfolgen. Sauber lackiert mit – aus der Schachtel – nicht einwandfrei sitzenden Reifen, wie es die Bilder zeigen, so gelangten die beiden Modelle auf den Schreibtisch. Der „Grill“ ist fein graviert, die Kennzeichenfläche wurde schwarz belassen. Eingerahmt wird der Grill von klaren Scheinwerfergläsern. Sogar im BMW-Propeller findet sich das Blau wieder. Die Seitenscheiben wirken recht groß, aber das sind sie auch beim Vorbild. Im Gegensatz zu manch übertriebener Sehschlitzoptik bei einigen Modellen, scheint Minichamps hier ein gutes Augenmaß bei der Konstruktion gehabt zu haben.
Links auf der Heckklappe findet sich in sauberer Lesbarkeit nicht nur ein silbernes „iX“, Propeller und „BMW“ sind ebenso gut lesbar und sauber aufgedruckt. Die roten Klarglasrückleuchten erfreuen bei der Begutachtung des Hecks. Die eigentlichen Endrohrausgänge sind in Blau eingefasste Attrappen mit darüberliegendem, roten Reflektor. Ein wenig „Auto“ darf an einem für Autonarren oftmals emotionslosen Elektromobil nicht fehlen. So langsam jedoch bekommen diese Elektrokisten Charakter, wenn sie denn dem krampfhaften Future-Design der anderen Art nicht mehr erliegen, sondern für die verwöhnte Automobilklientel klassisch konservativ daherkommen. Der iX muss sich auf den Bildern mit einem XM vergleichend begnügen. Ein passenderer X5 gleich welchen Jahrgangs hat es bis heute nicht in die Sammlung geschafft.
Doch grübeln lässt einen die Differenz zwischen Minichamps-Verkaufsbezeichnung "M60" (laut Hompage) und der Tatsächlichkeit des Originals. Deshalb das jeweils eingeklammerte Rufzeichen und Fragezeichen im vorherigen Absatz. Der M60 verfügte im Original stets über das optische Sportpaket mit dreieckigen Lufteinlässen an der Front und konnte als Downsizing-Objekt fürs Understatement nicht ohne dies bestellt werden. Diese dreieckigen Lufteinlässe hat das Modell nicht, so dass es eher als xDrive50 durchgeht. Das Vorbildfoto zeigt übrigens einen xDrive50 mit besagtem Sportpaket des M60 und Shadowline anstelle der blauen "Elektroakzente". Ach ja, auf der Verpackung steht lediglich "iX".
Hübsch hässlich und doch ganz schön. Die hellblauen Akzente am Modell machen das Elektroschiff mit seinen weichen Formen schon sympathisch. Der Spruch „der hat irgendwie was“ passt fürs Vorbild, so dass die beiden anderen Farben des Modells durchaus interessant werden. Die Vernunft bremst mich jedoch aus. Es werden keine weiteren iX "nicht-M60" in den Modellfuhrpark gelangen. Ein schickes Modell mit den bekannten Gravurfurchen, denen es an Feinheit fehlt. Dafür mit durchgehendem und hoffentlich für eine lange Zeit einwandfreiem Lackbild in herrlicher Brillanz. Und neben dem zerklüfteten XM auf dem Schreibtisch zeigt sich: Das rundgelutschte Bonbon ist zwar kein klassischer Schönling, aber im fahrbaren Prunk-Kabinett der Moderne zumindest der sanftere Riese.
Text und Fotos (Modell und Vorbild): Andreas Plogmaker