Neue Farben bieten den Lückenschluß in den Modellvorstellungen an. So haben wir wohl aus Zeitgründen 2021 auf eine solche verzichtet. Die aktuelle Auslieferung ist mehr als Grund genug, dies nachzuholen.
Plastik statt Chrom und GTI-Herz im Biedermann-Kleid
Als VW dem Passat B1 im August 1977 (also zum Modelljahr 1978) das große Facelift spendierte, flog die alte Blechfront samt Metallstoßstangen auf den Schrotthaufen der Automobilgeschichte. Stattdessen gab es modernen Kunststoff, eine verbesserte Aerodynamik und – je nach Budget – eine klare Hackordnung im Rückspiegel. Während die Basis mit eckigen Breitbandscheinwerfern und dem unkaputtbaren, wenn auch chronisch untermotorisierten 50-PS-Dauerläufer vom Hof rollte, durfte das Topmodell GLS mit sportlichen Doppelscheinwerfern und bis zu 85 PS auf der linken Spur der Autobahn glänzen. Kurz vor Ende der Bauzeit mutierte der brave Wolfsburger als ‚GLI‘ mit dem 110-PS-Einspritzer-Motor aus dem Golf GTI sogar noch zum echten Schreck der Etablierten ...
PCX87 brachte im Sommer 2021 die ersten Farbvarianten seines Modells des B1GP auf den Markt. Das Modell selbst polarisierte ... nicht. Und genau das ist das Drama: Während ein perfekt getroffenes Brot-und-Butter-Auto für echte Begeisterungsstürme sorgen könnte, ließ die handwerklich eher nachlässige Modellumsetzung die Sammlerwelt seltsam kalt. Es gab schlicht keinen Grund zur Ekstase – und das hat dieser emotionslose wie langweilige Meilenstein des deutschen Straßenalltags eigentlich nicht verdient. Dennoch, und gerade wegen der nun erfolgten Neuauflage in interessanten Farben, schauen wir uns den B1b (oder B1GP für Große Produktpflege/umfangreiches Facelift) noch einmal kurz an.
Die Farben der Erstauflage (siehe unten die Auslieferungsbilder von PCX87) waren zwar typisch, aber nicht alle Töne passten im Nachgang so wirklich zum B1GP. Während Marsrot und Diamantsilber-Metallic durchaus realistisch sind, war das fast schon als Cliffgrün zu bzeichnende Hellgrün eher ein Fall für den B1-Vor-Facelift, obwohl es matter und pastelliger wirkt als das Grün des B1 Variant von Drumer (wir berichteten). Aber wer weiß: Vielleicht hat der Besitzer diesen Wagen nach einer Schweißorgie Mitte der 80er-Jahre auch einfach in Eigenregie mit Cliffgrün überlackiert. Das dunkle Blau wiederum sollte wohl dem edlen Regattablau-Metallic des B1GP entsprechen.
Die Farben der Neuauflagen (siehe auch hier unten) entspringen dagegen komplett den Originalfarbtöpfen der Modelljahre 1978 bis 1980, als VW von den ganz grellen 70er-Jahre-Tönen wegwollte und sanftere, mattere oder pastelligere Nuancen anmischte. Wenn auch teils selten geordert, sind das hellere Floridablau, das typische Riadgelb und auch Copper Bronze-Metallic zusammen mit Erbsensuppengrün – Pardon – dem nun korrekt getroffenen Manilagrün authentisch in den damaligen Farblisten von VW für den Passat zu finden. Sagenhaft gelungen ist hierbei einmal mehr die Tiefe der Metalliclackierung.
Die Umsetzung des Modells fällt etwas lieblos aus. Wir müssen ja, wir könnten ja mal, ach, wir machen einfach. Früher hätte man gesagt, das Modell sei auf dem Niveau von Drummer hängengeblieben – tatsächlich ist diese B1GP-Limousine aus Autorensicht sogar noch eine kleine Spur unglücklicher ausgefallen als der damals unter Brekina vertriebene B1-Urtyp als Variant von Drummer. So treffend die Farbkarte ausfällt, so deutlich muss man bei der Karosserie Abstriche machen. Im direkten Vergleich mit dem Vorbild wirkt die Miniatur gröber graviert, bietet dennoch die Filigranität des Vorbilds mit seiner luftigen Dachlinie glänzt. Richtiggehend gesichtslos präsentiert sich die Front: Durch die zu dunkel geratenen Scheinwerfer wirkt das Gesicht der Erstauflage farblos und matt. Die Zweitauflage kann das etwas besser. Während die Motorhaube beim Original stetig nach vorne hin minimal flacher wird, fällt sie beim Modell erst im letzten Moment plump ab. Weil auch die eigentlich prägnant hervorstehende Stoßstange seltsam stumpf und flachgepresst wirkt, geht die typische Dynamik des Giugiaro-Designs leider etwas verloren. Und zu allem Überfluss rollen die Modelle nicht einmal vernünftig, die Felgen und damit die Räder sind schlicht viel zu groß geraten. Das wirkt im Radkasten einfach nicht stimmig.
Immerhin gibt es zwei Felgentypen. Die Bedruckung auf der Kofferraumklappe spart nicht an der Typbezeichnung. Die Rückleuchten sind pragmatisch farbig aufgedruckt und doch ausreichend und aussagekräftig genug. Seitliche Zierleisten und gedruckter Fensterchrom sind heutzutage Standard. Die Scheibenwischer sind bei diesem Modell Bestandteil der Verglasung und schwarz bedruckt. Beide Scheinwerfer-Typen der Neuauflage verfügen nun über einen hauchzarten und sichtbaren Silberrand, wodurch diese deutlich präsenter sind und die Plattheit der Front ein wenig abmildern können.
Immerhin, es finden mit der Neuauflage erste Polizei-Fahrzeuge den Weg in das Programm. Die Versionen Niedersachsen (mit zu "langem" Blaulicht) und Baden-Württemberg zeugen von der grün/weißen Schlichtheit einstiger Streifenwagen. Der vorhandene Streifenwagen hat leider eine üble Vertiefung (Krater) im Grün der Kofferraumklappe, ein Lackierfehler. Das ist insbesondere deshalb ärgerlich, weil mein Händler keinen Ersatz mehr liefern kann. Klappe? Ja, denn PCX87 hat die untere Fläche der Heckklappe bedruckt und "simuliert" damit die eigentlich in Niedersachsen verwendete Version mit kleiner Heckklappe für die konservative Stufenheckkundschaft, denn den gab es nicht beim Passat. Für NRW ist ein solches Modell derzeit nicht umsetzbar. Hier lief im Dienst vornehmlich der Variant. PCX87 hat zudem eine eigene Modellpflege betrieben. Ein Modell des Passats der Polizei Baden-Württemberg liegt mir aufgrund des fehlenden Regionalbezugs nicht vor, weshalb an dieser Stelle das offizielle Foto von PCX87/Model Car World als Vergleich herhalten muss.
Perfekt ist die Umsetzung wahrlich nicht geworden, da beißt die Maus keinen Faden ab. Man denke nur an die verunfallte, platte Front. "Drummer" hätte man damals zum B1GP zu der Zeit gesagt, als der B1-Urtyp als Variant (wir berichteten) erschien. Aber trotz aller berechtigten Kritik: Nach den farblichen Fragezeichen der Erstauslieferung bringt die aktuelle Auflage mit den neuen, epochengerechten Tönen genau das unaufgeregte Siebziger-Jahre-Flair auf die Modellstraße, das wir bei den sterilen Neuwagen von heute so oft vermissen. Schön, dass er – Ecken und Kanten inklusive – nun das Sortiment bereichert, denn bis weit in die 80er-Jahre hinein war dieser Passat prägend für unser Straßenbild. Bleibt am Ende nur zu bedauern, dass die Kombiversion, der Variant, bis heute auf sich warten lässt.
Da in der Kurzvorstellung explizit die Farben eine einnehmende Rolle gespielt haben, bilden den Abschluss der Vorstellung Fotos zu den angesprochenen Auslieferungen.
PCX87 brachte im Sommer 2021 die ersten Farbvarianten seines Modells des B1GP auf den Markt. Das Modell selbst polarisierte ... nicht. Und genau das ist das Drama: Während ein perfekt getroffenes Brot-und-Butter-Auto für echte Begeisterungsstürme sorgen könnte, ließ die handwerklich eher nachlässige Modellumsetzung die Sammlerwelt seltsam kalt. Es gab schlicht keinen Grund zur Ekstase – und das hat dieser emotionslose wie langweilige Meilenstein des deutschen Straßenalltags eigentlich nicht verdient. Dennoch, und gerade wegen der nun erfolgten Neuauflage in interessanten Farben, schauen wir uns den B1b (oder B1GP für Große Produktpflege/umfangreiches Facelift) noch einmal kurz an.
Zwei Farben aus der Erstauslieferung 2021
Die Farben der Erstauflage (siehe unten die Auslieferungsbilder von PCX87) waren zwar typisch, aber nicht alle Töne passten im Nachgang so wirklich zum B1GP. Während Marsrot und Diamantsilber-Metallic durchaus realistisch sind, war das fast schon als Cliffgrün zu bzeichnende Hellgrün eher ein Fall für den B1-Vor-Facelift, obwohl es matter und pastelliger wirkt als das Grün des B1 Variant von Drumer (wir berichteten). Aber wer weiß: Vielleicht hat der Besitzer diesen Wagen nach einer Schweißorgie Mitte der 80er-Jahre auch einfach in Eigenregie mit Cliffgrün überlackiert. Das dunkle Blau wiederum sollte wohl dem edlen Regattablau-Metallic des B1GP entsprechen.
Die Farben der Neuauflagen (siehe auch hier unten) entspringen dagegen komplett den Originalfarbtöpfen der Modelljahre 1978 bis 1980, als VW von den ganz grellen 70er-Jahre-Tönen wegwollte und sanftere, mattere oder pastelligere Nuancen anmischte. Wenn auch teils selten geordert, sind das hellere Floridablau, das typische Riadgelb und auch Copper Bronze-Metallic zusammen mit Erbsensuppengrün – Pardon – dem nun korrekt getroffenen Manilagrün authentisch in den damaligen Farblisten von VW für den Passat zu finden. Sagenhaft gelungen ist hierbei einmal mehr die Tiefe der Metalliclackierung.
Zwei Farben aus der aktuellen Auslieferung 2026
Die Umsetzung des Modells fällt etwas lieblos aus. Wir müssen ja, wir könnten ja mal, ach, wir machen einfach. Früher hätte man gesagt, das Modell sei auf dem Niveau von Drummer hängengeblieben – tatsächlich ist diese B1GP-Limousine aus Autorensicht sogar noch eine kleine Spur unglücklicher ausgefallen als der damals unter Brekina vertriebene B1-Urtyp als Variant von Drummer. So treffend die Farbkarte ausfällt, so deutlich muss man bei der Karosserie Abstriche machen. Im direkten Vergleich mit dem Vorbild wirkt die Miniatur gröber graviert, bietet dennoch die Filigranität des Vorbilds mit seiner luftigen Dachlinie glänzt. Richtiggehend gesichtslos präsentiert sich die Front: Durch die zu dunkel geratenen Scheinwerfer wirkt das Gesicht der Erstauflage farblos und matt. Die Zweitauflage kann das etwas besser. Während die Motorhaube beim Original stetig nach vorne hin minimal flacher wird, fällt sie beim Modell erst im letzten Moment plump ab. Weil auch die eigentlich prägnant hervorstehende Stoßstange seltsam stumpf und flachgepresst wirkt, geht die typische Dynamik des Giugiaro-Designs leider etwas verloren. Und zu allem Überfluss rollen die Modelle nicht einmal vernünftig, die Felgen und damit die Räder sind schlicht viel zu groß geraten. Das wirkt im Radkasten einfach nicht stimmig.
Immerhin gibt es zwei Felgentypen. Die Bedruckung auf der Kofferraumklappe spart nicht an der Typbezeichnung. Die Rückleuchten sind pragmatisch farbig aufgedruckt und doch ausreichend und aussagekräftig genug. Seitliche Zierleisten und gedruckter Fensterchrom sind heutzutage Standard. Die Scheibenwischer sind bei diesem Modell Bestandteil der Verglasung und schwarz bedruckt. Beide Scheinwerfer-Typen der Neuauflage verfügen nun über einen hauchzarten und sichtbaren Silberrand, wodurch diese deutlich präsenter sind und die Plattheit der Front ein wenig abmildern können.
Fahrzeug der Polizei Niedersachsen aus der aktuellen Auslieferung 2026
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Perfekt ist die Umsetzung wahrlich nicht geworden, da beißt die Maus keinen Faden ab. Man denke nur an die verunfallte, platte Front. "Drummer" hätte man damals zum B1GP zu der Zeit gesagt, als der B1-Urtyp als Variant (wir berichteten) erschien. Aber trotz aller berechtigten Kritik: Nach den farblichen Fragezeichen der Erstauslieferung bringt die aktuelle Auflage mit den neuen, epochengerechten Tönen genau das unaufgeregte Siebziger-Jahre-Flair auf die Modellstraße, das wir bei den sterilen Neuwagen von heute so oft vermissen. Schön, dass er – Ecken und Kanten inklusive – nun das Sortiment bereichert, denn bis weit in die 80er-Jahre hinein war dieser Passat prägend für unser Straßenbild. Bleibt am Ende nur zu bedauern, dass die Kombiversion, der Variant, bis heute auf sich warten lässt.
Da in der Kurzvorstellung explizit die Farben eine einnehmende Rolle gespielt haben, bilden den Abschluss der Vorstellung Fotos zu den angesprochenen Auslieferungen.
Abb.: Die Farben der Erstauslieferung 2021
Abb.: Die Farben der Zweitauslieferung 2026
Text und Fotos: Andreas Plogmaker; Farb-Quartetts: PCX87 / Model Car World



