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Bericht
von Andreas Plogmaker am Freitag 17. Juli 2026, 20:09
Modellvorstellung: Scania Vabis LB 76 von Modellbau Schwarz (mit Rückblick VK)
Schwedische Bulldogge mit Posthorn: Der legendäre Scania-Vabis LB 76

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Kommt das Gespräch auf schwere Nutzfahrzeug-Klassiker der 1960er-Jahre, wandern die Gedanken meist sofort zu den deutschen Frontlenker-Ikonen aus Gaggenau, Kassel oder Stuttgart. Doch während hierzulande die extrem kastenförmige „Kubische Kabine“ von Mercedes-Benz, Henschels kantige F-Serie oder die rundliche MAN-„Pausbacke“ das Straßenbild prägten, reifte jenseits der Ostsee ein echter Wettbewerber heran, der optisch seiner Zeit voraus war: der Scania-Vabis LB 76 (L für Lastbil, B für Bulldog (Frontlenker)) - die Zahl, ach ja, fix recherchiert: 7 für die siebte Motorgeneration und 6 für sechs Tonnen zulässige Hinterachslast nach schwedischen Klassifizierungen. Während seiner vergleichsweise kurzen Produktionszeit von 1963 bis 1968 lieferte sich der schwere Frontlenker vor allem ein skandinavisches Duell mit Volvos legendärem F88, der ab 1965 die Fernstraßen eroberte und dort bis 1977 Maßstäbe setzte. Mit seiner leicht abgerundeten, recht aerodynamischen und dennoch massiven Frontpartie wirkte der LB 76 im Vergleich zu den oft plumpen Mitbewerbern sehr gelungen und schaffte elegant den Spagat zwischen den rundlichen Formen der Fünfziger und der modernen Sachlichkeit der Sechziger-Jahre.

Das markante „Vabis“ im Namen – ein historisches Kürzel für die Vagnfabriks Aktiebolaget i Södertälje (Waggonfabrik-Aktiengesellschaft) – erinnerte an die Wurzeln des Herstellers, der bereits 1911 mit Scania fusionierte. Vor allem in Skandinavien und den Benelux-Staaten stand diese Kombination für kompromisslose Robustheit und legendäre Langlebigkeit. Dank der strengen schwedischen Sicherheitsprüfungen für Fahrerhäuser galt die Kabine zudem als die sicherste ihrer Epoche, bevor der traditionsreiche Doppelname schließlich 1969 aus den Katalogen verschwand und durch das schlichte „Scania“ ersetzt wurde. Gebaut wurde er übrigens nicht nur in Schweden, sondern ab 1965 auch in den Niederlanden, in Zwolle.

Unter dem Führerhaus sorgte der wegweisende 11-Liter-Sechszylinder mit 190 PS als Saugdiesel und 260 PS als Turbodiesel für ordentlichen Vortrieb, von dem viele zeitgenössische Fernfahrer auf dem Kontinent teilweise nur träumen konnten. Mit dieser Leistung war der Schwede ein wahrer König der Landstraße, während deutsche Lkw zu dieser Zeit oft noch mit deutlich weniger Pferdestärken über die Kasseler Berge krochen.

Als klassische 4x2-Sattelzugmaschine erschienen 2018 bereits Modelle über VK-Modelle und wanderten in die Vitrinen und Sammlungen. Das Modell stammte seinerzeit bereits aus der Konstruktion von Modellbau Schwarz, wird nun aber über Herpa vertrieben und stetig weiterentwickelt. Auf mo87 wurde immer wieder in den News vom Entwicklungsstatus bis hin zu den ersten Auslieferungen berichtet, doch eine Modellvorstellung hat es bislang eigenartigerweise nie gegeben. Das holen wir nun nach – nicht ohne Grund, denn erstmals wird die Zugmaschine in Kombination mit den neu entwickelten Aufliegern aus dem Hause Modellbau Schwarz für ordentlich Furore sorgen.

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Abb.: Zugmaschine des Kühlsattelzugs "G-F-T" der Spedition Völk aus Wetzlar (Produktionsmuster)

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Abb.: Zugmaschine des Kühlsattelzugs "G & G" der Spedition Goedkoop & De Geus aus den Niederlanden (Produktionsmuster)

Beide Muster bestechen durch eine äußerst gelungene Lackierung, die weder glänzend noch matt wirkt, sondern durch den Seidenglanz äußerst vorbildgerecht wirken. Das weiße Dach der Zugmaschine von G & G ist im Gegensatz zur taubenblauen Zugmaschine ebenfalls seidenmatt weiß.

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Die Zugmaschine in Taubenblau entstammt einer jüngsten Auslieferung über den Vertrieb von Herpa und verfügt über eine Sonnenschute, während die Zugmaschine in Hellbau noch aus dem Vertrieb über VK-Modelle stammt. Diese habe ich für Detailfotos ebenfalls herangezogen, um eventuelle Unterschiede aufzeigen zu können. Es sind grundsätzlich vier Ausführungen aus der Erstauflage ebekannt, die nun Raum für viele Modelle in der Collection finden können: zwei Kabinenlängen mit teilweise unterschiedlichen Fensteranordnungen, dazu zwei Stoßstangenvarianten sowie Modelle mit und ohne Sonnenblende.

Was Modellbau Schwarz und Herpa hier auf die zierlichen Räder (Trilex- oder Stahlfelge) gestellt haben, sprengte bereits 2018 - unter der Regie von VK-Modelle - den gewohnten Rahmen von Großserienmodellen aus Kunststoff – eine solche Fülle von Details hat es in dieser Klasse bislang schlicht kaum bis gar nicht gegeben. Das wird schon beim ersten Blick auf das Fahrwerk klar: Die Vorderräder sind tatsächlich lenkbar ausgeführt und mit grandios profilierten Reifen im Format 11:00-20 bestückt. Selbst die charakteristische Verschlusskappe der Radnabe wurde nicht vergessen. Insbesondere beim GFT-Modell kommt dieses Detail durch die alleinige Bedruckung des Nabensterns besonders gut zur Geltung. Wer das Modell umdreht, reibt sich erst recht die Augen: Die Bremszylinder an der Hinterachse sind einzeln eingesetzt, und der legendäre Sechszylinder-Motor sitzt vorbildgerecht zwischen den Chassis-Streben, sodass er von unten perfekt sichtbar ist.

Auch die optischen Akzente an der markanten Front passen auf den Punkt. Die transparenten Scheinwerfer sind von hinten vorbildlich silbern hinterlegt, was ihnen enorme Tiefe verleiht, während die Frontblinker in makellos transparentem Orange leuchten. Für ein messerscharfes Erscheinungsbild sorgt die von vorne separat eingesetzte Frontscheibe samt einzeln montierten, lackierten Scheibenwischern. Abgerundet wird das Gesicht des Schweden durch den silbern lackierten und golden bedruckten Kühlergrill sowie die einzeln montierten Griffstangen an den Seiten und der Front, die hier sogar aus lackiertem Metall bestehen. Ein ganz besonderes Schmankerl haben die Macher bei der Bedruckung des Kühlergrills versteckt, das Sammlerherzen höherschlagen lässt: Neben dem legendären „Super“-Schriftzug – dem Scania-Traditionskürzel für die kraftvollen Turbomotoren – prangt auf der anderen Seite des Grills ein kleines, rundes Emblem mit einem goldenen Posthorn. Dieses Detail ist kein Zufall, sondern ein historischer Beleg: Im Jahr 1966 feierte Scania-Vabis sein 75-jähriges Firmenjubiläum (bezogen auf die Gründung von Vabis im Jahr 1891). Das Posthorn war dabei eine Reminiszenz an die Frühzeit des schwedischen Post- und Gütertransports an der Scania (Vabis) aktiv beteiligt war. Wer diese Variante auf seinem Speditionsdiorama hat, parkt also ein exaktes Abbild eines 1966er-Jubiläums-Lkw in der Vitrine! Die weiteren grandiosen Bedruckungen der Kabine mit silbernen Trittflächen sowie gestochen scharfen Beschriftungen und Zierleisten zeugen von ausgeprägtem Perfektionismus und großer Detailverliebtheit.

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Die Zugmaschine der Spedition Völk verfügt über verschlossene Eck- und Heckfenster. Dies hat es neben tatsächlich verblechten Fahrzeugen durchaus so gegeben. Besteht das Fahrgestell der neuen Zugmaschinen aus lackiertem Kunststoff, so ist das der Zugmaschine in Taubenblau noch (vermutlich) aus unlackiertem Kunststoff oder glänzend lackiert. Besonders gut kommt der seidenmatte Lackauftrag am Modell der Spedition Völk mit dem blaugrauen Fahrgestell zur Geltung. Zusammen mit den schwarzen Felgen ein herrlicher Anblick. Bemerkenswert sind weiterhin der hauchfeine Aufdruck der Rückleuchten und die schwarze Umrandung des Rücklichtglases. Das Fahrgestell ist mit größter Detailverliebtheit konstruiert. Zwei Tanks lassen große Reichweiten zu. Abgerundet wird das Chassis durch schwarze Spritzlappen an allen vier Kotflügeln. Logisch, dass die hinteren Kotflügel über selten filigran ausgeführte Halter verfügen. Die sind graviert und Bestandteil der Kotflügel, aber hauchfein bedruckt, so dass der Eindruck eines separaten Bauteils entsteht.

Selbst an Stellen, die man erst auf den zweiten Blick sieht, wurde nicht gespart. Ein echter Knaller und absolutes Kuriosum im H0-Bereich: Der Auspuff ist silbern lackiert und besitzt tatsächlich einen schwarzen Aufdruck – wer bitteschön bedruckt sonst einen Auspuff? Die Verbrennungsabgase verlassen den separat angesetzten, in Silber gehaltenen Auspuff zwar nicht durch ein Rohr, aber der schwarze Tupfer am Ausgang suggeriert das Rohr schon recht gut.

Ein Blick durch die Verglasung in die Kabine zeigt, dass sich die förmliche Detailwut im Interieur nahtlos fortsetzt. Hier blickt man auf einzeln eingesetzte Sitze, ein separat montiertes Lenkrad und sogar einen filigranen Schaltknüppel, der mit einem winzigen Kugelkopfgriff glänzt.

Und dann ist da noch das absolute Endgegner-Thema im Lkw-Modellbau: die Rückspiegel. Jeder Sammler kennt das manchmal nervige Gefummel mit den Zurüstteilen – doch hier kommt die Erlösung, denn sie sind ab Werk bereits komplett für sie montiert! Die Konstruktion selbst ist genial gelöst: Die robusten Spiegelarme bestehen aus Metall, während die eigentlichen Spiegelteile aus Kunststoff gefertigt und passgenau auf die Metallbügel geklebt wurden. Da das gesamte Spiegel-Konstrukt anschließend einheitlich lackiert wurde, wirkt das Ganze wie aus einem Guss.

Den Abschluss bietet ein Blick auf die kommenden Erstauslieferungen mit den Aufliegern. Wir werden auf die dekorierten Auflieger noch an anderer Stelle eingehen.

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Wer noch keine Zugmaschine besitzt, kann derzeit bei VK-Modelle noch einige Ausführungen erhalten. Bald werden diese Modelle durch die oben gezeigten Sattelzüge ergänzt und über das Herpa-Programm als "Modellbau Schwarz-Collection" (wir berichteten) vertrieben werden.

Wir bedanken uns bei Modellbau Schwarz für die Bereitstellung der Produktionsmuster (GFT und G&G) zu Fotozwecken. Die Modelle sind bereits wohlbehalten zurück.

Fotos: Andreas Plogmaker

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