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Bericht
von Andreas Plogmaker am Freitag 18. September 2026, 19:32
Kurz vorgestellt: Peugeot 106 (Serie 1) von PCX87
Vom Dauerbrenner zum heutigen Exoten

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Mal ehrlich: Wann haben wir eigentlich den letzten Peugeot 106 im Rückspiegel gesehen? Entweder ist das Auto total unauffällig oder sogar im Verschwinden begriffen. In den 90er Jahren gehörte der kleine Franzose zum deutschen Straßenbild fast wie die lila Kuh. Er war der treue Begleiter für Fahranfänger, der wendige Zweitwagen für den Wocheneinkauf und – als Giftzwerg XSi – der Schrecken so mancher Mittelklasse auf der Landstraße. Zusammen mit seinem Plattform-Bruder Citroën Saxo teilte er sich nicht nur die Mechanik unter dem Blech, sondern auch die Alltagstauglichkeit: Er lief, schuftete brav über Jahre – und verschwand schließlich fast unbemerkt aus dem Straßenbild.



Als der 106 im Herbst 1991 auf den Markt rollte, geriet er direkt ins muntere Treiben der schon recht heiß umkämpften Kleinwagen-Klasse. Seine direkten Gegenspieler in den Autohäusern hießen Ford Fiesta GFJ bzw. Mk III (wir berichteten über das Modell von PCX87), Renault Clio I und Opel Corsa (erst A, bald B). Besondere Würze lag im Duell mit Wolfsburg: In seinen ersten Jahren forderte der Franzose noch den gereiften VW Polo II "2F" heraus, bevor er sich ab Ende 1994 mit dem nagelneuen Polo III (6N) messen musste. Während die deutsche Konkurrenz oft auf Biedermann-Bravheit setzte, konterte Peugeot mit Leichtbau und typisch knackigem Fahrwerk.

Unter der flachen Haube vollzog sich die Spanne vom kargen 1,0 L Basisbenziner mit 45 PS bis hin zum Bestseller mit 1,1 Litern und 60 PS. Wer es richtig fliegen lassen wollte, griff jedoch zum XSi: Dessen 1,4 Liter Einspritzer brachte 94 PS auf die Vorderräder – bei nicht einmal 900 Kilo Leergewicht ein echtes Fliegengewicht mit Krawall-Potenzial, bevor später sogar der 1,6 L mit 103 PS nachgelegt wurde.

Umso erfreulicher ist es, dass der kleine Franzose im Maßstab 1:87 nun seine verdiente Renaissance feiert. Und das nicht nur als brave Basisversion, sondern direkt auch als XSi der ersten Serie – also noch vor dem großen Facelift mit seinen geglätteten Kanten. Zeit für uns, dem französischen Fliegengewicht einmal ganz genau auf die Modell-Stoßstangen zu schauen ... und zu prüfen, ob wir uns wirklich freuen können. Halt, nicht wir: ich! Denn jeder kann und sollte sich schlussendlich seine eigene Meinung bilden.

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Während das Modell im hinreißend schönen wie gelungenen Grünmetallic glänzt, unterstreicht der XSi in Blaumetallic seine sportlichen Ambitionen in ebenso überzeugendem Lackaufbau. Diese Tiefe und Wirkung durch feinste Metallicpigmente ist mittlerweile auf Topniveau angelangt. Zwei der drei angebotenen Felgentypen zeigen sich an diesen beiden Mustern. Formal hat der Hersteller den kleinen Franzosen auf den ersten Blick gut getroffen: Die Gesamtkontur stimmt, der Radstand passt auf den Millimeter und die Räder geben dem B-Segment-Klassiker das richtige Finish.

Beim Blick auf die Karosserie zeigt sich jedoch die heute oft zitierte Prozessoptimierung: Die breiten Kunststoff-Radläufe der sportlichen XSi-Variante wurden nicht über eine eigene Form gelöst, sondern aufgedruckt. Ein Kompromiss, der dem Modell optisch aber überraschend gut steht und die Pausbacken des Sportlers bündig simuliert. Aus passendem Abstand – etwa im klassischen Spiralkabelabstand bei FREMO-Treffen, wobei sich das Thema Spiralkabel mit modernen WLAN-Fahrreglern teils auch erledigt hat – sind Detailmängel natürlich nicht oder nur kaum erkennbar.

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Gehen wir also über in den Makro-Check. Und hier offenbaren selbst "gröbere" Detailbilder gnadenlos die ersten Tücken im Finish. Schaut man genauer hin, zeigt der 106 deutliche Schwächen in der Detailausführung: Die Scheinwerfer sind zwar separat eingesetzt, doch dahinter wurde schlicht gespart. Statt eines gesilberten Reflektors blickt man direkt auf den bunten Wagenlack im Lampentopf. Wenn sich die Gläser unfallfrei ausbauen lassen, hilft hier nur eifriges Nachsilbern in Eigenregie. Dass die Scheinwerfer zudem teils etwas unsauber eingesetzt sind, fällt im normalen Vitrinenabstand zwar kaum auf, der Makro-Blick verzeiht es jedoch nicht.

Gleiches gilt für die Heckpartie: Während die Rückleuchten gelegentlich mit unsauberem Druck kämpfen, zeigte das grünmetallic-farbene Exemplar gar einen feinen Doppeldruck beim Typenschriftzug. Das größte Manko offenbart sich jedoch bei den Seitenscheiben: Maßhaltig sind sie zwar, aber die fehlende schwarze Scheibenrandbedruckung lässt die Fenster viel zu groß wirken. Da gleichzeitig der obere Rand der Tür- und Seitenfenster mit einem zu massiven schwarzen Druck versehen wurde, verschieben sich die Proportionen drastisch – die B- und C-Säulen wirken viel zu schmächtig. Front- und Heckscheibe zeigen zudem eine leicht „butzige“ Wirkung. Die ebenfalls sehr massiv geratenen Scheibenwischer sind direkter Bestandteil der Verglasung und schwarz bedruckt.

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Ist das nun ein tolles Modell? Die Fertigungsqualität schwankt schlicht zwischen durchschnittlich und exzellent. Die Lackierung hat mittlerweile ein Niveau erreicht, das insbesondere im Metallicbereich zu begeistern weiß. Die Drucke sitzen teils schon sehr sauber und die Felgengröße wirkt passabel.

Aber mit der verunglückten Optik der Seitenscheiben – bedingt durch die fehlende Randbedruckung, den zu pointierten Druck der oberen Fensterlinie und der (dadurch zusätzlich geschwächten) B-Säule – verwandelt sich der kleine Franzose in einen seltsam belustigenden Glaspalast, eher wie ein "Papamobil" (als Gattungsbegriff zu verstehen) für die Großstadt wirkend. Trotz kurzfristig bestätigter Originalmaße passt das Gesamtbild so gar nicht zum Vorbild. Wie auch immer hier konstruiert und gearbeitet wurde: So richtig hat anscheinend niemand Vorbildfotos herangezogen, geschweige denn ein Gefühl für die Wirkung des Vorbilddesigns entwickelt.

Es werden meine ersten und auch einzigen Modelle dieses Großstadt-Hüpfers bleiben. Das eigentlich avisierte Modell in Gelb bleibt dort, wo es ist: bei SAI im Regal. Denn ob sich der schwarze Druck an der Fensteroberkante unfallfrei entfernen lässt oder die Scheiben sauber schwarz umrandet werden können, bleibt ein wackeliges Vabanquespiel. Mal schauen, wie es mit dem Zerlegen klappt – dann könnte es im Forum mit dem 106 weitergehen.

Nichtsdestotrotz wünsche ich mir tatsächlich weiterhin den Plattformbruder Citroën Saxo als Ergänzung. Aber bitte keine Persiflage, sondern von Haus aus mit der richtig dekorierten Scheibengröße!

Text und Fotos: Andreas Plogmaker

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